1786 – Stickmustertuch aus Schweden

Seide auf Seide.

Dieses Mustertuch wurde nicht in gezählten Stichen gestickt, sondern in feinster „Nadelmalerei“ oder auch „Seidenmalerei“, wie sie in Frankreich und England für höfische Kleidung beliebt war.

Zeichenmeister Johann Friedrich Netto brachte 1795 in Leipzig ein Vorlagenbuch heraus. Die Motive mussten zuerst auf die Seide „geprickelt“ werden, diese Technik erklärte Netto in seinem Buch.

Eingerahmt von zwei seitlichen Blumenranken im Stilstich und Plattstich, unten gebunden mit einem Bändchen zur Schleife, sieht man in feinster „Seidenmalerei“ eine Landschaft mit Wiese, Blumen, Ährengarbe , Baum mit einer am Faden herabhängenden Spinne und links ein Dorf, rechts ein gefüllter Korb, die Blüten sind mit Bändchenstich gefertigt, ganz rechts ein Segelschiff mit der schwedischen Flagge, das Gelb ist im Laufe der Zeit oxidiert.

Darüber mittig eine mit Pailletten besetzte Lyra, ein Taktstock mit Vergissmeinnicht umwunden. Davon rechts und links jeweils ein Blumengebinde im Stilstich, Plattstich und Bändchenstickerei.

Weiter oben mittig ein mit Pailletten besetzter Lebenskranz mit einem Engel sowie einer Krone, ein Degen mit einem schwedischen Wimpel. Dieser Lebenskranz hängt wie ein Medaillon an einer Girlande aus Bändchenstickerei und ist mit einer Schleife befestigt.

Die Tatsache, dass dieses Mustertuch auf feinster Seide gearbeitet und mit Metallfäden und Pailletten dekoriert worden ist, deutet auf eine sehr wohlhabende, u. U. eine adelige Familie hin. Ein weiterer Hinweis darauf ist, dass die Stickerin es auch in französischer Sprache beschrieben und datiert hat.

Gerahmt mit Berliner Leiste, im Format 51 x 43 cm, altes Glas.

29.12.2003 cr

 

 

 

 

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