1812 – Kleines Sachsentuch – wohl Dresden

Kreuzstich und Petit Point auf Leinen

Die Stickerin beginnt oben mit schönen Borten, wobei die Klee­blatt-Borte wie auch die breite Bordüre über den Alphabetreihen auf das Modelbuch des Nürnberger Kupferstechers Johann Siebmacher von 1597 beziehungsweise 16o1 zurückgehen. Eine reizend naive Naturdar­stellung findet sich in der Borte mit Hirsch, Hund und einem weiteren Tier zwischen Bäumchen und Blumen.

Im Anschluss an Alphabete und Zahlen fünf Kronen als Ewigkeits­symbole. „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“.

Die barocke Nelkenvase ist ein häufig gesticktes Motiv aus einem Modelbuch des 17.Jahrhunderts, ebenso der Kranz(bekrönt) mit den Initialen SEH. Unter dem Kranz -zwischen der Jahreszahl 1812 – die Initialen der Stickerin (J = Jungfer), also unverheiratet. Die Nelke ist übrigens Sinnbild der reinen Gattenliebe.

Die Kreuzigungsszene mit den zahlreichen Attributen rundherum ist anrührend schön. Links der Pfau mit aufgestelltem Rad und Krönchen als Symbol der Auferstehung (frühchristlich: Sein herrliches Gefieder erneuert sich, sein Fleisch galt als unverwesbar. Die „hundert Augen“ des Schweifes sind die alles sehende Kirche und das Firmament. Darüber der siebenarmige Leuchter, die Würfel, die Leidenswerkzeuge bis hin zur Geißel und dem Essigschwamm. Direkt am Kreuz der Hahn auf der Geißelsäule, rechts davon das Stundenglas, darunter der Stuhl des Pilatus, daneben ein Korb mit Kleeblatt (Dreifaltigkeit) sowie Vogel (Seele etc.) und darüber besonders schön gestickt das Quadrat (göttliche Ordnung der Welt).

Tuch: 22 x 72 cm !!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.