1829 – Stickmustertuch aus der Region um Hamburg

Interessant an diesem Mustertuch ist die Vermischung von alten traditionellen mit den damals neuen Biedermeiermotiven.

Schöne Alphabete in unterschied1ichen Sticktechniken: Neben Kreuzstich Ajourstickerei bei den Zahlen von 1 bis 10. Darunter ABC in Kästchenstich. Interessant die letzte Zahlenreihe: Der Platz reichte nur bis zur 6, die 7 – 10 wird an den Rand nach oben ge­stickt.

Rosenborte oben, Rosenkranz in der Mitte, am Rand Vergissmeinnicht.

Im Biedermeier galt die Rose als Symbol der Liebe und Schönheit, das Vergissmeinnicht – schon wegen seines Namens unübertroffen an Beliebtheit – als Sinnbild der Treue und Freundschaft. „Blau ist das Blümchen, das hier spricht, ich bitte Dich, vergiss mein nicht“.

Füllhorn. Sinnbild für Überfluss, unendliche Freigiebigkeit, reichen Ertrag. Es enthält die gesammelten Früchte und Blumen der Erde. Blumenkörbe,-schalen, -vasen – Blumen in jeder Form – galten als Sinnbild der Freundschaft und Liebe. Kirschzweig: Jede Frucht (auch die Birne auf dem Tuch) ist Symbol für Fruchtbarkeit, Gesund­heit und Glück. Die Kirsche gilt zudem als Frucht des Paradieses und der Seligen.

Umgeben von Biedermeiermotiven erscheint als zentrales Bild eine der bedeutendsten christlichen Szenen, die Kreuzigung: Jesus mit Dornenkrone, im Kreuztitel „Jesus von Nazareth, König(_Rex) der _Juden“ (INRI). Neben dem Kreuz die trauernden Frauen: die Mutter Jesu, Maria, und Maria Magdalena; als Symbole das Lamm Gottes mit Kreuz und der Hahn auf der Geißelsäule, der auf die Verleugnung Christi durch Petrus hinweist: „Bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben“. Darüber die Leidenswerkzeuge. Und darüber eine Schale mit Vergissmeinnicht.

Steht sie in Bezug zu dem Kreuzigungsmotiv? Die beiden acht­zackigen Sterne jedenfalls symbolisieren den Stern von Bethlehem, das Licht der Welt.

Jakobs Kampf mit dem Engel

Jakob hatte seinem Onkel Laban 2o Jahre lang gedient. Dann beschloss er, in die Heimat zurückzukehren. Bei der Nachricht, sein Zwi11ingsbruder Esau, mit dem er in Fehde lebte, komme ihm mit vielen Leuten entgegen, geriet Jakob in Unruhe und sandte wertvolle Geschenke für seinen Bruder voraus. In der Nacht vor dem Zusammentreffen rang Jakob am Fluss Jabbok allein mit einem „Mann“, der ihn nicht bezwingen konnte und der ihm seinen Namen nicht nennen wollte. Als die Morgenröte heraufzog, bat der „Mann“ Jakob, ihn loszulassen, doch Jakob erwiderte: „Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest“. Jener fragte ihn nach seinem Namen und sprach daraufhin: „Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (= Kämpfer Gottes), denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen.“ Da erkannte Jakob, dass er mit Gott gerungen hatte. Durch die Umbenennung wurde Jakob zum Stammvater der nach ihm benannten Israeliten. Seine zwölf Söhne, die Ahnherren der zwölf Stämme,

Israels, und ihre Angehörigen wurden von nun an kollektiv als Israel bezeichnet.

Josua und Kaleb mit der Traube

Josua war Begleiter und Feldherr von Moses und nach dessen Tod Führer Israels. Seine kriegerischen Taten bei der Eroberung des von Gott den Juden verheißenen Landes Kanaan (um 1200 v.Chr.) schildert das nach ihm benannte Buch des Alten Testamentes.

Im Mittelalter wurde die Szene „Josua und Kaleb“ häufig dargestellt: Beide wurden von Moses als Kundschafter nach Kanaan ausgesandt und brachten als Zeichen der Fruchtbarkeit des Landes eine riesige Weintraube mit. Die beiden Männer, die Traube an einer Stange zwischen sich tragend, wurden der Kreuztragung Christi gegenübergestellt. Die Traube symbolisiert den am Kreuz hängenden Christus; der vordere Träger, der der Traube.

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