Charlie Kappler, der Sebastian Vettel der 1920er Jahre

In den 1920er Jahren war der Gernsbacher Karl Kappler – genannt Charlie – ein besonders erfolgreicher Rennfahrer in Deutschland und genoss eine Popularität wie heute Sebastian Vettel und vor einigen Jahren Michael Schumacher.

In der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau – dem heutigen Mercedes Werk – fing Kappler als Lehrling an und gewann bereits 1907 als Fünfzehnjähriger sein erstes Rennen, eine so genannte Subventionsfahrt mit einem Lastwagen von Stuttgart nach Berlin.

Kreisarchivar Martin Walter hat das Lebenswerk des Gernsbacher Rennfahrers unter anderem in seinem Buch „Karl Kappler – Der badische Pionier des Motorsports“ interessant beschrieben. Es ist im Casimir Katz Verlag erschienen.

Zum 50. Todestag von Karl Kappler veröffentlichte das Badische Tagblatt am 8. Dezember 2012 folgenden Artikel. Bitte „Weiterlesen“ anklicken:

Karl Kappler zählte in den 1920er Jahren zu den bekanntesten Rennfahrerikonen in Deutschland. In diesem Beitrag erinnert das Kreisarchiv Rastatt an den legendären Sportler aus dem Murgtal. Mit fast 300 Siegen und unzähligen weiteren Preisen war er der mit Abstand erfolgreichste Motorsportler seiner Ära. Vor fast genau 50 Jahren ist er gestorben. Bis zu seinem Tod am 30. November 1962 – er erlitt einen Schlaganfall – betrieb er in Gernsbach-Scheuern einen Reifenhandel.

Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Katholischen Friedhof in Gernsbach. Dort befindet sich bis heute das Familiengrab der Familie mit seinen Eltern und zwei seiner Geschwister.

Die Hochzeit seiner Erfolge lag zwischen 1921 und 1933. 1927 wurde er vom ADAC für seinen 200. Rennerfolg geehrt. Schon 1924 wurde er in einer weit verbreiteten Berliner Zeitung als „der Beste aus den Kreisen der deutschen Herrenfahrer“ gefeiert. 1927 nannte ihn die Fachpresse den „deutschen Bergmeister“ und schätzte ihn „als den mit Abstand besten deutschen Fahrer“ ein. Zudem erschien sein Konterfei auf der Titelseite der ADAC-Motorwelt. Sein erstes siegreiches Rennen absolvierte er 1907, damals war er gerade 15 Jahre alt. Er gewann die Subventionsfahrt von Stuttgart nach Berlin in einem Fahrzeug der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau. In jener Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wurde er zudem mit Überführungsfahrten der äußerst wertvollen Fahrzeuge der Gaggenauer Automobilfabrik nach Berlin oder Bozen beauftragt.

Charlie Kappler siegte bei den bedeutendsten Rennveranstaltungen. Der Ingenieur gewann beim Schauinslandrennen, er gewann die berühmten Automobilturniere in Wiesbaden und Baden-Baden. Er war auch mehrfach siegreich beim Herkules-Bergrennen in Kassel oder beim legendären Eibsee-Rennen in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Manchmal gewann er zwei- oder drei Mal an einem einzigen Wochenende, nur so ist die kaum vorstellbare Anzahl an Erfolgen zu erklären. Auf seine „alten“ Tage nahm er ab 1928 an den in Mode kommenden Rallyes und Langstreckenfahrten teil.

Die Rallye Monte Carlo bestritt er mehrfach erfolgreich; er erhielt aus der Hand des Fürsten von Monaco eine besondere Auszeichnung für die außergewöhnlichste fahrerische Leistung. Karl Kappler setzte die damals schnellsten Rennfahrzeuge ein. So pilotierte er mehrere Bugatti des Typs 35 mit oder ohne Kompressor, war aber auch auf den einzigartigen und bei Bergrennen kaum zu schlagenden Simson Supra SS unterwegs. Daneben war er zeitweise Werksfahrer für Mercedes-Benz und fuhr 1924 den ersten Mercedes-Kompressor-Rennwagen.

Den Nachlass übergab seine Nichte Hildegard Hermann bereits vor einigen Jahren dem Kreisarchiv Rastatt. 2011 erschien im Casimir Katz Verlag Gernsbach eine Biographie über den erfolgreichsten Badener im Motorsport.

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