Announcement: Herzlich willkommen

Herzlich willkommen auf meiner privaten Website mit Historischem zum Murgtal. Sie befindet sich seit September 2012 im Aufbau. Sie wird auch noch benutzerfreundlicher gestaltet. Schwerpunkte sind zunächst Gaggenau mit seinen Stadtteilen, das Benzwerk, die Eisenwerke, Michael Flürscheim und Joseph Vollmer.

Als Ergebnis einer „Schatzsuche“ nach Bildern ab 1922 insbesondere in privaten Fotoalben habe ich den Bildband „Des denkt mir au noch!“ zusammengestellt. Sukzessive werden zu einzelnen Bildern ergänzende Texte eingestellt.

Aber die Schatzsuche“ geht weiter. Schicken Sie mir gerne Ihre „Schätze“ per Mail. Die Bilder sollten in Gaggenau (einschließlich aller Stadtteile) entstanden sein.

Viel Spass beim Stöbern wünscht Ihnen

Michael Wessel

 

Landesverein Badische Heimat

Wenn Sie sich für die Geschichte unserer Region interessieren, dann sollten Sie sich über die Ziele und Aufgaben des Landesvereins Badische Heimat informieren. Ein umfangreiches Portrait ist in Wikipedia unter http://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Heimat oder deren Website http://www.badische-heimat.de zu finden.  Ansprechpartner der Regionalgruppe Rastatt ist Martin Walter, Leiter des Kreisarchivs Rastatt, Tel. 07222 381 3581, E-Mail; rastatt(at)badische-heimat.de

Jahresprogramm 2018
  1. Januar: Wolfgang Kohler: Die Thermalquellen in Baden-Baden
  2. Februar: Sigrid Gensichen M.A.: Die Schlosskirche Zum Heiligen Kreuz an der Barockresidenz Rastatt
  3. März: Barbara Beu: Lesung „Frauen PORTRAITS des Femmes“
  4. April: Dr. Wolf Böhm: Der Dom zu Speyer – Geschichte und Architektur
  5. Mai: Dr. Johannes Werner: „Ein Badener in Rom.“ Aus den Aufzeichnungen des nachmaligen Erzbischofs Conrad Gröber
  6. Juni: Florian Gantner: Zusammenarbeit im europäischen Automobilbau: Von den ersten Autos bis in die Gegenwart
  7. Juli: Dr. Sebastian Diziol: Die Tagebücher des Rastatter Bankiers Franz Simon Meyer. Siehe hierzu auch die beiden folgenden Beiträge innerhalb der Murgtal-Chronik: „Zweiter Band über den Rastatter Chronisten Franz Simon Meyer von Sebastian Diziol erschienen“ sowie „Wertvolles Dokument der Heimatgeschichte zu den Jahren 1816 – 1828“.
  8. Oktober: Dr. Christian Gospos: Die Geschichte der Illenau
  9. November: Elsässisch-Badischer Abend mit Brigitte Wagner und Serge Rieger
  10. Dezember: Kurt Pottiez: Das Lobberle in Rastatt und in Mittelbaden

Die Vorträge finden, sofern nicht abweichend angegeben, abends um 20 Uhr in den Fraktionsräumen (D 0.06/D 0.07) im neuen Landratsamt (Am Schlossplatz 5) statt.

Der Zugang erfolgt über den VHS-Eingang.

Kontakt: Martin Walter/Kreisarchiv Rastatt, Am Schlossplatz 5, Tel.: 07222/381-3581.

Der Eintritt ist frei. Beachten Sie bitte die Ankündigungen in der Presse

 

 

 

 

Termine zur Heimatkunde

Treffen der Sammler von Postkarten etc.

Postkarte der Gaststätte "Brüderlin" von 1924

Postkarte der Gaststätte „Brüderlin“ von 1924

Die Sammler von Ansichtskarten und Stichen/Lithographien mit Motiven aus dem Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden treffen sich am Donnerstag, 15. März 2018, 19 Uhr, im „Brüderlin“, Gernsbach. Gäste willkommen.

Bitte Tauschmaterial mitbringen.

Rückfragen gerne an Michael Wessel, Tel. 07225 4347 oder wessel-gaggenau(at)t-online.de

Die Termine der Regionalgruppe Rastatt der Badischen Heimat stehen im Beitrag „Badische Heimat“.

 


Zweiter Band über den Rastatter Chronisten Franz Simon Meyer von Sebastian Diziol erschienen

 

Rainer Wollenschneider schreibt am 22. Dezember 2017 im Badischen Tagblatt:

Revolutionszeit wird lebendig

Der zweite Band der Lebensgeschichte des Rastatter Bankiers Franz Simon Meyer ist nach der Vorstellung des ersten Buchs 2016 von vielen Menschen mit Spannung erwartet worden. Sebastian Diziol hat wieder ganze Arbeit geleistet und kann nun auf 559 Seiten ein Zeitbild präsentieren, das in interessanten Facetten die Zeit von 1828 bis zur Revolution in Baden von 1848/49 nahebringt. Packend sind die kommentieren Aufzeichnungen des Rastatters Weltbürgers und Bankiers, die im Stadtarchiv Baden-Baden im Original aufbewahrt sind.

Treffend heißt es im Begleittext, dass Meyers Aufzeichnungen Momente des Glücks und der Trauer sowie den Alltag gerade der turbulenten Zeit der Revolution minuziös wie sonst kaum schildern. Eine Augenweide sind die eingestreuten Textillustrationen, die der Ausgabe – neben über 50 Abbildungen und vier Karten – einen besonderen bibliophilen Charakter verleihen.

Überraschend ist die Schilderung eines Hochzeitsessens im Hause Meyer im November 1829 mit Sitzplan. Serviert wurden neben Austern, Schnecken und Kapaunen damals auch Auerhähne. Meyer beschreibt auch das revolutionäre Treiben schon 1830 in Frankreich und Polen, aber er liefert auch Interessantes zum geheimnisumwitterten Kaspar Hauser.

Dass der reiche Bankier auch eine poetische Ader hatte, das belegt er durch abgedruckte Gedichte. So 1835 „Das Schloss Rastatt“ und die rührende Elegie auf die verstorbene Fanny Meyer.

Immer wieder überraschen in Sebastian Diziols Band Meyers kenntnisreiche Blicke über den regionalen Tellerrand: Erdbeben in Syrien, Cholera in Sizilien und Kriege gegen ethnische Minderheiten in Russland. Ab 1840 ist das Geschilderte insbesondere eine wahre Fundgrube zur Rastatter Stadtgeschichte und der Region. 1842 schreibt Meyer: „Eisenbahn und Festung rauben den Einwohnern die Hälfte ihrer Güter“, und man sei sich über Grundstückspreise nicht einig. Allerdings ist Meyer dann 1844 über die hohen gezahlten Grundstückpreise glücklich. Es stören ihn nur 4000 Tagelöhner und Maurer beim Festungsbau.

Vor dem Hintergrund der Errichtung der Bundesfestung in Rastatt schildert der Bankier die revolutionäre Stimmung 1847: „In Deutschland gärt es, namentlich bei uns in Baden.“ Wird auch am 26. März 1848 die schwarz-rot-goldene Fahne auf den Rastatter Festungswällen gehisst, Meyer als Mitglied des Bürgerausschusses ist das nicht genehm. „Gegen meinen Willen abgesandt“ ist protestierend unter einer zitierten demokratischen Petition zu lesen.

Ein erhaltener Festungsplan ist dann nur der Auftakt zu spannend zu lesenden Beschreibungen eines Insiders zu den revolutionären Ereignissen und der vorübergehenden Herrschaft der Revolutionäre in der Stadt vom 12. Mai bis zur Kapitulation am 23. Juli 1849.

Nirgendwo in der bisher öffentlich greifbaren Literatur zur Revolution sind die Schilderungen dazu so packend ausgefallen. Spannend und mitreißend ist, was Meyer über die Standgerichtsurteile durch Erschießen schreibt.

Mit dem zweiten Band der Aufzeichnungen des Franz Simon Meyer wurden Fakten in neuem Licht, aber auch ein historischer „Roman“ geliefert, der wahrlich fesseln kann. Zusätzlich hat der aus Baden-Baden stammende Sebastian Diziol durch seine Anmerkungen mit Erklärungen und ein detailliertes Register ein wichtiges Nachschlagewerk abgeliefert.

„Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens“ , Band 2, kostet 32,90 Euro.

Wertvolles Dokument der Heimatgeschichte zu den Jahren 1816 – 1828


Sebastian Diziol ist Feuer und Flamme für das Manuskript des „Tag und Familienbuchs“ – Foto: Sol

Lebendiges Panorama des 19. Jahrhunderts

Historiker Sebastian Diziol gibt die Erinnerungen des Rastatter Bankiers Franz Simon Meyer (1799-1871) heraus

Von Sebastian Linkenheil im Badischen Tagblatt vom 4. November 2016

Rastatt – Wer sich für Lokalgeschichte und den Alltag der Menschen in Baden im 19. Jahrhundert interessiert, für den ist dieses Buch ein gefundenes Fressen: Von seinem 16. Lebensjahr bis zu seinem Tod schrieb der Rastatter Bankier Franz Simon Meyer (1799-1871) einmal jährlich nieder, was ihn in den vorangegangenen zwölf Monaten bewegt hatte. Der aus Baden-Baden stammende Historiker Sebastian Diziol gibt das reich bebilderte Werk jetzt in zwei Bänden heraus. „Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens“ lautet der Titel.

Zur Vorgeschichte: Feuer und Flamme war Sebastian Diziol schon, als er 2004 ein Praktikum im Stadtarchiv Baden-Baden machte. Damals zeigte ihm dessen Leiterin Dagmar Rumpf eher beiläufig zwei große Bücher, beide in Leder gebunden, in wie gestochener Handschrift verfasst und ausgestattet mit Zeichnungen, Kupferstichen und Briefen.

Über 55 Jahre hinweg hatte ein Zeitgenosse der Kriege Napoleons, der Badischen Revolution und Bismarcks ein Manuskript von historiographischer Bedeutung geschaffen, wie Diziol seinerzeit schnell erkannte. Die Seiten schildern aber auch Hoffnungen und Träume, Freude und Leid, Freundschaften und Lieben, die ganze Persönlichkeit, eben das ganze Leben des Rastatters Franz Meyer.

Wertvolle Quelle der Regionalgeschichte

Im ersten Band über die Jugendjahre Meyers liest man von Reisen, die den wohlhabenden jungen Mann nach Italien, Frankreich und England führten. Seine ebenfalls abgedruckten Gedichte erzählen von einer sentimentalen Ader, die gut in seine Zeit gepasst hat. Das Talent eines großen Dichters hatte der Jüngling allerdings eher nicht. Dafür hat der Kaufmannssohn akribisch Buch geführt, gerade über seine Ausgaben auf Reisen, auch wenn Meyer offenkundig nicht sparen musste.

Eine seidene Krawatte hier, eine Spazierfahrt in offener Kutsche dort, Theater- und Kaffeehausbesuche schlugen zu Buche. Doch Meyer dachte auch an die Daheimgebliebenen.

Seinem Vater, der während der Zeit der Französischen Revolution adeligen Exilanten von der anderen Rheinseite half, verschaffte er durch Fürsprecher bei dem auf den Bourbonenthron zurückgekehrten König eine hohe Auszeichnung.

Wie kommt es aber, dass diese wertvolle Quelle der Stadt- und Regionalgeschichte nicht in Meyers Heimatstadt aufbewahrt wird, sondern in Baden-Baden? Diziol erzählt im Anhang des ersten Bandes auch die Geschichte dieses in großer Detailtreue wiedergegebenen Dokuments. Die beiden in Leder gebundenen Bände waren über Generationen unter den Nachkommen Meyers weitervererbt worden.

Die historische Bedeutung dieses seltenen Zeugnisses scheint indes die damalige Baden-Badener Stadtarchivarin Margot Fuß in den 1960er Jahren als erste erkannt zu haben. Ende der 1970er wurden die Bücher dem Stadtarchiv Baden-Baden und wohl auch der Stadt Rastatt zum Kauf angeboten. Preis: 4500 Mark. Der damalige Rastatter Bürgermeister lehnte den Ankauf aber aus finanziellen Gründen ab, schreibt Diziol.

Seltenes Zeugnis von historischer Bedeutung

Dennoch sind Auszüge, die sich mit der Revolution von 1848/49 befassen, bereits von heimathistorisch interessierten Autoren wie dem ehemaligen Rastatter Stadtarchivar Wolfgang Reiß und BT-Mitarbeiter Rainer Wollenschneider im Heimatbuch des Landkreises und in der „Badischen Heimat“ veröffentlicht worden. Schön, dass diese interessante Quelle nun reich bebildert für die Experten und interessierten Laien in vollem Umfang vorliegt. Der Herausgeber Sebastian Diziol lebt und arbeitet seit 2013 in Kiel.

bt-die-ganze-geschichte-meyerVerlag Solivagus Praeteritum

632 Seiten, Hardcover, Fadenheftung, 51 Abbildungen, 4 Karten, 11 Illustrationen, Orts-, Personen- und Firmenregister, Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2016, Format: 16 x 22,5 cm

Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-9817079-3-9
32,90 €

 

Mehr unter: http://www.baden-baden.de/stadtportrait/aktuelles/pressearchiv/2016-05/sebastian-diziol-auf-den-spuren-von-franz-meyer_2585/

Buchvorstellung: Michael Flürscheim – Industrieller – Sozialökonom – Utopist

Fluerscheim Titel 300Im Dezember 2014 erschien das Buch „Michael Flürscheim – Industrieller – Sozialökonom – Utopist“. Es hat 156 Seiten, kostet 19,90 Euro und ist im regionalen Buchhandel, im Unimog-Museum und über www.buchundbild.de erhältlich.

Hier zur Einstimmung der Rückentext:

Betrachtet man das Lebenswerk von Michael Flürscheim (* 1844 in Frankfurt am Main, + 1912 in Berlin), dann hat er vor mehr als hundert Jahren bereits bewiesen, dass es möglich ist, als außergewöhnlich sozial eingestellter Unternehmer besonders erfolgreich zu sein. Hat er doch von 1873 bis 1888 in nur fünfzehn Jahren die Eisenwerke Gaggenau von 40 Mitarbeitern – zeitweise gemeinsam mit Theodor Bergmann – zu einem international bekannten Industrieunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern entwickelt.

Als genialer Denker und Utopist machte er sich durch seine Bücher, Schriften und Vorträge international einen Namen als Kämpfer für die Bodenreformbewegung.

Seine utopischen und teilweise amüsanten Vorstellungen, wie Deutschland in hundert Jahren – somit um 1980 – aussehen könnte, hat er in einem „modernen Märchen“ entwickelt – der Schwerpunkt dieser Veröffentlichung.

Das enorme persönliche und finanzielle Engagement von Michael Flürscheim für die Bodenreform und den Genossenschaftsgedanken war allerdings letztlich nicht von Erfolg gekrönt. Seine fünfzehn Gaggenauer Jahre waren jedoch für die industrielle Entwicklung des Murgtals ein Glücksfall.

1891 – Älteste Ansichtskarte des Murgtals?

AK Rotenfels 1891 - BeuchertBeim Treffen der Postkartensammler der Region wurde die Frage aufgeworfen, welches wohl die älteste Ansichtskarte aus dem Murgtal ist. Bisher hält diesen Spitzenplatz eine Karte mit dem Motiv des Badhauses in Bad Rothenfels, die dort am 24. August 1891 geschrieben und aufgegeben wurde. Nur wenige Tage jünger ist eine Karte aus Gernsbach.

Vielleicht existieren aber auch noch ältere Ansichtskarten? Hinweise bitte an Michael Wessel, Tel. 07225 4347.

Das nächste Treffen der Sammler von Ansichtskarten und Motiven aus der Region in Form von Fotos, Zeichnungen, Lithographien oder Stichen findet am Donnerstag, 15. März 2018, ab 19 Uhr im Nebenzimmer der Gaststätte „Brüderlin“ in Gernsbach statt. Gäste sind willkommen. Tauschmaterial bitte mitbringen.

1888 – Warenkatalog der Eisenwerke mit Kuriositäten

Namensgeber für die Gaggenauer Patent-Kegelbahn war sicherlich das Schweizer Bergmassiv „Rigi“, da man den Berg hinauf kegelte.

Namensgeber für die Gaggenauer Patent-Kegelbahn war sicherlich das Schweizer Bergmassiv „Rigi“, da man den Berg hinauf kegelte.

Das Badische Tagblatt veröffentlichte am 17. 10. 2015 den folgenden Beitrag:

„Illustrirtes Preisverzeichniss“ der Eisenwerke Gaggenau aus dem Jahr 1888 offenbart ein Kabinett der Kuriositäten

Von Michael Wessel

Die Eisenwerke Gaggenau, sie sind schon lange Geschichte. Die unzähligen Produkte, die dort hergestellt wurden auch. Doch findet sich so manches Kuriosum darunter. Zum Beispiel eine zerlegbare Kegelbahn.

Die Eisenwerke waren von 1873 bis 1888 – also in nur 15 Jahren – von einem kleinen Hammerwerk mit 40 Mitarbeitern zu einem international bekannten Industriebetrieb mit über 1000 Mitarbeitern angewachsen. Eine rasante Entwicklung, die auch dazu führte, das Unternehmen im November 1888 rückwirkend zum 1. Januar in eine AG umzuwandeln. Die Gründung der Aktiengesellschaft wurde auch zum Anlass genommen, ein umfangreiches ledergebundenes „Illustrirtes Preisverzeichniss“ herauszugeben. Gefertigt in der eigenen Buchdruckerei und mit Goldschnitt versehen. Es dokumentiert das extrem breitgefächerte Produktionsprogramm vom Aschenbecher bis hin zu stationären Motoren und stellt somit ein wertvolles Zeitdokument dar.
Bis 1888 hatten Michael Flürscheim und Theodor Bergmann die Eisenwerke geleitet. Beide Inhaber ließen sich von den Aktionären ausbezahlen, und Theodor Bergmann leitete fortan alleine den Betrieb. Er war allem Neuen gegenüber aufgeschlossen, firmierte auch als „Etablissement für Neuheiten“ und so fanden Erfinder bei ihm meist ein offenes Ohr.

Titel des ledergebundenen Preisverzeichnisses von 1888

Titel des ledergebundenen Preisverzeichnisses von 1888

Dass dies Probleme mit sich bringen kann, macht das Preisverzeichnis deutlich: Produziert wurden einerseits profane Artikel des täglichen Gebrauchs wie Tischtuchklemmen oder Verschlüsse für Flaschen und Gläser und andererseits Präzisionsgewehre oder hochwertige Drehbänke. Und all das meist in unterschiedlichen Materialien und mit verschiedenen Oberflächen. Dies hatte zur Folge, dass das Preisverzeichnis über 1200 Positionen aufweist. Einige Artikel geben Anlass zum Schmunzeln.

So wird in der Abteilung „Holzwaarenfabrikation“ die zerlegbare „Gaggenauer Patent-Kegelbahn Rigi“ mit ansteigender Lauffläche angeboten, die laut Beschreibung bei zehn bis 13 Metern Länge eine vergleichbare Wirkung erzielte wie eine Kegelbahn der doppelten Länge. Unter den abgedruckten Referenzschreiben ist eines von Ferdinand Seitz, Besitzer des Gasthofs zum „Engel“ im Luftkurort Michelbach: „Die Kürze des Kegelraumes von nur 11 Meter bietet die große Annehmlichkeit, dass man die Kegel besser übersehen kann als sonst. Nach meiner Überzeugung wird Ihre neue Patent-Kegelbahn, soweit sie erst mehr bekannt ist, die alten Bahnen vollständig verdrängen, da meine Gäste selbst sagen, sie möchten nicht mehr auf einer langen Bahn kegeln.“ Er sollte nicht recht behalten.

Die Abteilung „Holzwaarenfabrikation“ bietet auch Leitern mit Sicherheitsgeländer, Behälter und Tisch an. Aus der Eisengießerei wird ein „Signal-Sicherheitstrichter“ angeboten, bei dem ein Luftstrom einen Pfeifton erzeugt, wenn der Behälter voll ist: „So können selbst an den dunkelsten Orten Flaschen gefüllt werden, ohne dass dieselben überlaufen“.

Bei einer Sammelbüchse mit Eichhörnchen ist zu lesen: „Diese neue Sammelbüchse dient ausser ihrem eigentlichen Zweck auch als Cigarrenabschneider. Legt man ein Geldstück auf die Pfoten und drückt auf den Busch, dann führt das Eichhörnchen dasselbe zum Mund und dort fällt es in die am Fusse angebrachte Kasse.“ Ebenfalls angeboten werden „Patent-Hosenstrecker“ für die Reise oder ein „Migrainestift in hochfeiner Ausführung zum Anhängen an Uhrketten oder Armbänder“: „Der Migrainestift selbst enthält garantirt reines Menthol und ist bei Kopfschmerzen von stärkster Wirkung“. Patentiert wurde auch ein automatisch schließendes Tintenfass, „wodurch die Tinte immer rein bleibt und nicht austrocknet“ – in acht Ausführungen.

1888: perforierte Toilettenrollen aus den Eisenwerken Gaggenau

Bereits 1888 boten die Eisenwerke Gaggenau vier Halter für perforiertes Toilettenpapier an - vier Jahrzehnte vor Hakles Produktion in Ludwigsburg.

Bereits 1888 boten die Eisenwerke Gaggenau vier Halter für perforiertes Toilettenpapier an – vier Jahrzehnte vor Hakles Produktion in Ludwigsburg.

Badisches Tagblatt, 25. August 2015         DER MURGTÄLER

Gaggenauer Komfort fürs Closet

Der gerollte Hygieneartikel wurde früher als bislang angenommen hergestellt

Am 26. August ist Tag des Toilettenpapiers

Von Michael Wessel

Gaggenau – Es gibt Gedenktage, die regelmäßig durch die Medien gehen. So ist am morgigen 26. August – man kann es kaum glauben – der internationale Tag des Toilettenpapiers, der toilet paper day. Gibt es einen besseren Anlasse, die Geschichte des Toilettenpapiers, auf die bei solcher Gelegenheit gerne zurückgeblickt wird, zu korrigieren? Denn jetzt belegen zwei Dokumente, dass der Hygieneartikel bereits 1888 in den Eisenwerken Gaggenau in großem Stil hergestellt wurde. Bislang galt als gesichert, dass gerolltes Toilettenpapier in Deutschland erst in den 1920er Jahren produziert wurde.

Bisher wird Hans Klenk zugeschrieben, die Toilettenrolle auf dem europäischen Festland eingeführt zu haben. Der Firmenname, die Abkürzung Hakle, ist vielen geläufig. So schrieb beispielsweise die Berliner Zeitung 2003: „Der schwäbische Unternehmer Hans Klenk wickelte im Jahr 1928 – vor 75 Jahren – zum ersten Mal lange Papierstreifen auf eine Rolle. Damit führte der ehemalige Banker in Europa ein, was die Firma Scott um 1890 in Amerika bereits vorgemacht hatte. Die amerikanische Papierfabrik hatte sich damals noch gescheut, den eigenen Namen auf das als anrüchig empfundene Produkt zu drucken.

Hakle-Produktion erst ab 1928

Auch der Brite W. C. Alcock, der in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Alternative zu den bis dahin üblichen Zeitungsschnipseln erfand, nannte diese schamvoll Papierlockenwickler. Klenk hatte keine derartigen Bedenken und gründete 1928 sein Werk im schwäbischen Ludwigsburg. Als Firmennamen wählte er seine erweiterten Initialen: Hakle. Dazu fiel ihm ein psychologisch wertvoller Werbespruch ein: „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen.“

Diese weit verbreitete Auffassung, dass erst 1928 die Toilettenrolle auf dem europäischen Festland eingeführt wurde, muss jetzt korrigiert werden. Denn bereits fast vier Jahrzehnte zuvor, 1891, wirbt Theodor Bergmann, Geschäftsführer der Eisenwerke Gaggenau, in einer Firmenbroschüre für seine Toilettenrollen: „Papier-Perforier-Anstalt, mit 12 Specialmaschinen, fertigt pro Tag über 2000 Rollen gelochtes Closetpapier und ist bis heute wohl auf dem ganzen Kontinent die einzige derartige Anstalt.“ Zwei Zeichnungen ermöglichen den Blick in die Produktion des gerollten und gelochten Toilettenpapiers.

Die frühe Produktion von Toilettenpapier in den Eisenwerken Gaggenau belegen auch diese beiden Zeichnungen aus dem Jahr 1891.

Die frühe Produktion von Toilettenpapier in den Eisenwerken Gaggenau belegen auch diese beiden Zeichnungen aus dem Jahr 1891.

 

Luxus mit Leuchte und Streichholzhalter

In den Gaggenauer Eisenwerken wurde offensichtlich aber bereits früher Toilettenpapier auf Rollen produziert, denn in einem ledergebundenen „Illustrirtem Preisverzeichnis“, das 1888 anlässlich der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft herausgegeben wurde, werden gleich vier sehr unterschiedliche „Closetclipse für Rollenpapier“ mit folgender Werbebotschaft offeriert: „Die meisten Halter für Rollen-Papier haben den Nachtheil, dass die Rollen zu schwierig einzumachen sind und dass namentlich beim Abreissen zu viel Papier nachläuft, d. h. sich von selbst abrollt und unordentlich herunterhängt. Bei diesen neuen Clips sind diese Mängel beseitigt, indem die Einführung eine sehr einfache ist.“

Diese Formulierung lässt darauf schließen, dass es sich zu diesem Zeitpunkt um keine Neuheit handelte, also gerolltes Toilettenpapier und die dafür notwendigen Halter sogar bereits vor 1888 hier angeboten wurden. Diese kosteten in einfachster Ausführung zehn Mark und in der Luxusvariante mit Leuchter und Streichholzhalter 78 Mark. Die dazu gehörige Rolle mit 1000 Abrissen wurde im Dutzend für zwölf Mark angeboten. Beides also ein besonderer Luxus, wenn man bedenkt, dass die 78 Mark mehr als dem Wochenlohn eines Facharbeiters entsprachen.

Weiter heißt es: „Wir machen noch ausdrücklich darauf aufmerksam, dass unser Rollenpapier perforirt ist, was den grossen Vortheil hat, dass man selten mehr abreisst als eben nothwendig ist, während bei nicht perforirtem Papier immer zu viel abgerollt wird und dieses dann trotz etwas billigerem Ankaufpreis, wesentlich theurer zu stehen kommt, als das unsrige.“

Wie im „Illustrirtem Preisverzeichnis“ weiter zu sehen ist, boten die Eisenwerke auch Halter für „Closetpapierhalter in Buchform“ an. Dabei war man sich nicht zu schade, das Markenzeichen, zwei gekreuzte Pistolen, groß auf das Deckblatt zu drucken.

Am Tag des Toilettenpapiers können wir also feststellen, dass sich die perforierte Klorolle von Gaggenau aus auf dem europäischen Festland verbreitet hat.

Mehr zu den Eisenwerken Gaggenau in dem Buch „Michael Flürscheim – Industrieller, Sozialökonom, Utopist“, erhältlich im Buchhandel oder über www.buchundbild.de sowie auf www.murgtal-chronik.de