Announcement: Herzlich willkommen

Herzlich willkommen auf meiner privaten Website mit Historischem zum Murgtal. Sie befindet sich noch im Aufbau und wird noch benutzerfreundlicher gestaltet. Schwerpunkte sind zunächst Gaggenau mit seinen Stadtteilen, das Benzwerk, die Eisenwerke, Michael Flürscheim und Joseph Vollmer.

Um keine weitere Internetseite aufbauen zu müssen, habe ich damit begonnen, meine Sammlung historischer Stickmustertücher hier mit aufzunehmen.

Viel Spass beim Stöbern wünscht Ihnen

Michael Wessel

 

Giuseppe Casà: Vom Hilfsarbeiter zum geschätzten Geschäftsmann

Italieniscche Produkte vom Feinsten bieten Samuel, Antonia, Giuseppe, Josefine und Luca Casà in Ottenau an.

Vom Hilfsarbeiter zum geschätzten Geschäftsmann

 Giuseppe Casà ist ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Integration

Orangen als Schlüsselerlebnis

Speiseeis, Orangen und Oliven spielen im beruflichen Leben des Sizilianers Giuseppe Casà eine besondere Rolle, denn sie waren mitentscheidend für seine beispielhafte Karriere. Aber ausschlaggebend waren der ausgeprägte gesunde Ehrgeiz und die positive Einstellung zum Leben und zu den Mitmenschen. Als seine Eltern 1970 Beschäftigung in den Gaggenau-Werken fanden, wollten sie wie viele sogenannte Gastarbeiter nur einige Jahre im Murgtal arbeiten, um dann wieder nach Sizilien zurückzukehren. Doch sie blieben für immer.

Im Jahr 1975 arbeitete der damals 15-jährige Giuseppe zunächst als Hilfsarbeiter bei den Holzwerken Rahner und im Folgejahr als Hoffeger in den Gaggenau-Werken. „Das war für mich sehr deprimierend“, erinnert er sich heute, und er setzte daher seinen ganzen Ehrgeiz daran, dass sich an seiner beruflichen Situation etwas ändert. Bald wurde er Stanzer und ab 1980 Maschinenbediener im Protektorwerk Florenz Maisch. Und so schloss er 1985 berufsbegleitend seine Ausbildung als Industriemechaniker an der Abendschule ab.

Voller Begeisterung erzählt der heute Sechzigjährige, dass er sich 1987 einen gebrauchten Eiswagen gekauft habe und manchmal hundert Leute beim Benzwerk, bei Maisch oder bei Roth-Technik in der Schlange standen. Das Jahr 1987 sollte aber noch mehr Bedeutung bekommen, denn er lernte bei einem Heimatbesuch in Italien seine Frau Antonina kennen – ein Jahr später heirateten sie. Ein zweiter Eiswagen wurde gekauft, und jetzt fuhren beide insbesondere nach Karlsruhe auf den Turmberg und in die Schrebergärten von Hagsfeld. Viele Freundschaften entstanden dabei, und so fährt Giuseppe Casà weiterhin gerne dorthin.

Seit über 30 Jahren verkauft Giuseppe Casà selbst gemachtes Eis – meist bei den Schrebergärten in Karlsruhe-Hagsfeld

Ein Schlüsselerlebnis hatte er sicherlich, als ihn 1994 ein Schwager bat, für ihn ein paar Kisten unbehandelte Orangen in Gaggenau zu verkaufen. Giuseppe Casà erschrak, als ganze 300 Kisten ankamen. „Wer soll die denn alle essen?!“, schimpfte er. Doch nach zwei Tagen waren sie restlos verkauft. Die nächste Lieferung kam kurz darauf dann schon mit einem Sattelzug. Auch hier verkauften sich die 24 Tonnen innerhalb einer Woche. Anlieferung und Verkauf waren noch in der alten AVIA-Tankstelle. Aber auch im Benzwerk oder bei Blumen-Hertweck fanden die Orangen kistenweise Abnehmer.

Und dann sind da ja noch die Oliven, die bereits seit etwa 1800 in der Großfamilie angebaut und insbesondere zu Öl gepresst werden. Die eigene Anbaufläche vergrößerte Giuseppe Casà durch den Zukauf von 5.000 Quadratmetern auf fast das Doppelte. Und es ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass er jedes Jahr im Oktober zwei oder drei Wochen bei der Olivenernte vor Ort ist, um eine hohe Qualität gewährleisten zu können.

Bereits mit dem Kauf eines Reihenhauses in Ottenau im Jahr 1992 stand für Antonina und Giuseppe Casà fest, dass sie hier bleiben werden. Das manifestierte sich, als beide den Entschluss fassten, einen Groß- und Einzelhandel für italienische Feinkost aufzubauen, hierfür 1997 ein Grundstück kauften und vier Jahre später ihr Geschäft eröffnen konnten. Erst jetzt gab Giuseppe Casà seine Tätigkeit im Protektorwerk Maisch auf, um sich voll und ganz der neuen Herausforderung zu stellen.

Der Traum der beiden ging in Erfüllung: Mit tatkräftiger Unterstützung durch ihren Sohn Samuel ist ihr Unternehmen „Pronto Casa“ heute in der Region die Nummer eins für italienische Spezialitäten – auch bei der Belieferung der Gastronomie. Zusammen haben sie sich noch weitere Ziele gesteckt: Durch den Zukauf eines Grundstücks soll die Verkaufsfläche von 280 auf 440 Quadratmeter und die Lagerfläche von 200 auf 400 Quadratmeter erhöht werden. Damit wollen sie ihre Spitzenposition langfristig absichern.

Giuseppe Casà ist heute glücklich über die positive Entwicklung, die er dank großem Ehrgeiz und guter Gesundheit, aber auch dank glücklicher Fügungen durchlaufen durfte. Daher freuen sich insbesondere in der Vorweihnachtszeit gleich mehrere soziale Einrichtungen immer wieder unter anderem über seine Orangen-Spenden.

Text und Fotos: Michael Wessel

Erstveröffentlichung im Badischen Tagblatt vom 1. September 2020

1888: perforierte Toilettenrollen aus den Eisenwerken Gaggenau

Bereits 1888 boten die Eisenwerke Gaggenau vier Halter für perforiertes Toilettenpapier an - vier Jahrzehnte vor Hakles Produktion in Ludwigsburg.

Bereits 1888 boten die Eisenwerke Gaggenau vier Halter für perforiertes Toilettenpapier an – vier Jahrzehnte vor Hakles Produktion in Ludwigsburg.

Badisches Tagblatt, 25. August 2015         DER MURGTÄLER

Gaggenauer Komfort fürs Closet

Der gerollte Hygieneartikel wurde früher als bislang angenommen hergestellt

Am 26. August ist Tag des Toilettenpapiers

Von Michael Wessel

Gaggenau – Es gibt Gedenktage, die regelmäßig durch die Medien gehen. So ist am morgigen 26. August – man kann es kaum glauben – der internationale Tag des Toilettenpapiers, der toilet paper day. Gibt es einen besseren Anlasse, die Geschichte des Toilettenpapiers, auf die bei solcher Gelegenheit gerne zurückgeblickt wird, zu korrigieren? Denn jetzt belegen zwei Dokumente, dass der Hygieneartikel bereits 1888 in den Eisenwerken Gaggenau in großem Stil hergestellt wurde. Bislang galt als gesichert, dass gerolltes Toilettenpapier in Deutschland erst in den 1920er Jahren produziert wurde.

Bisher wird Hans Klenk zugeschrieben, die Toilettenrolle auf dem europäischen Festland eingeführt zu haben. Der Firmenname, die Abkürzung Hakle, ist vielen geläufig. So schrieb beispielsweise die Berliner Zeitung 2003: „Der schwäbische Unternehmer Hans Klenk wickelte im Jahr 1928 – vor 75 Jahren – zum ersten Mal lange Papierstreifen auf eine Rolle. Damit führte der ehemalige Banker in Europa ein, was die Firma Scott um 1890 in Amerika bereits vorgemacht hatte. Die amerikanische Papierfabrik hatte sich damals noch gescheut, den eigenen Namen auf das als anrüchig empfundene Produkt zu drucken.

Hakle-Produktion erst ab 1928

Auch der Brite W. C. Alcock, der in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Alternative zu den bis dahin üblichen Zeitungsschnipseln erfand, nannte diese schamvoll Papierlockenwickler. Klenk hatte keine derartigen Bedenken und gründete 1928 sein Werk im schwäbischen Ludwigsburg. Als Firmennamen wählte er seine erweiterten Initialen: Hakle. Dazu fiel ihm ein psychologisch wertvoller Werbespruch ein: „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen.“

Diese weit verbreitete Auffassung, dass erst 1928 die Toilettenrolle auf dem europäischen Festland eingeführt wurde, muss jetzt korrigiert werden. Denn bereits fast vier Jahrzehnte zuvor, 1891, wirbt Theodor Bergmann, Geschäftsführer der Eisenwerke Gaggenau, in einer Firmenbroschüre für seine Toilettenrollen: „Papier-Perforier-Anstalt, mit 12 Specialmaschinen, fertigt pro Tag über 2000 Rollen gelochtes Closetpapier und ist bis heute wohl auf dem ganzen Kontinent die einzige derartige Anstalt.“ Zwei Zeichnungen ermöglichen den Blick in die Produktion des gerollten und gelochten Toilettenpapiers.

Die frühe Produktion von Toilettenpapier in den Eisenwerken Gaggenau belegen auch diese beiden Zeichnungen aus dem Jahr 1891.

Die frühe Produktion von Toilettenpapier in den Eisenwerken Gaggenau belegen auch diese beiden Zeichnungen aus dem Jahr 1891.

 

Luxus mit Leuchte und Streichholzhalter

In den Gaggenauer Eisenwerken wurde offensichtlich aber bereits früher Toilettenpapier auf Rollen produziert, denn in einem ledergebundenen „Illustrirtem Preisverzeichnis“, das 1888 anlässlich der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft herausgegeben wurde, werden gleich vier sehr unterschiedliche „Closetclipse für Rollenpapier“ mit folgender Werbebotschaft offeriert: „Die meisten Halter für Rollen-Papier haben den Nachtheil, dass die Rollen zu schwierig einzumachen sind und dass namentlich beim Abreissen zu viel Papier nachläuft, d. h. sich von selbst abrollt und unordentlich herunterhängt. Bei diesen neuen Clips sind diese Mängel beseitigt, indem die Einführung eine sehr einfache ist.“

Diese Formulierung lässt darauf schließen, dass es sich zu diesem Zeitpunkt um keine Neuheit handelte, also gerolltes Toilettenpapier und die dafür notwendigen Halter sogar bereits vor 1888 hier angeboten wurden. Diese kosteten in einfachster Ausführung zehn Mark und in der Luxusvariante mit Leuchter und Streichholzhalter 78 Mark. Die dazu gehörige Rolle mit 1000 Abrissen wurde im Dutzend für zwölf Mark angeboten. Beides also ein besonderer Luxus, wenn man bedenkt, dass die 78 Mark mehr als dem Wochenlohn eines Facharbeiters entsprachen.

Weiter heißt es: „Wir machen noch ausdrücklich darauf aufmerksam, dass unser Rollenpapier perforirt ist, was den grossen Vortheil hat, dass man selten mehr abreisst als eben nothwendig ist, während bei nicht perforirtem Papier immer zu viel abgerollt wird und dieses dann trotz etwas billigerem Ankaufpreis, wesentlich theurer zu stehen kommt, als das unsrige.“

Wie im „Illustrirtem Preisverzeichnis“ weiter zu sehen ist, boten die Eisenwerke auch Halter für „Closetpapierhalter in Buchform“ an. Dabei war man sich nicht zu schade, das Markenzeichen, zwei gekreuzte Pistolen, groß auf das Deckblatt zu drucken.

Am Tag des Toilettenpapiers können wir also feststellen, dass sich die perforierte Klorolle von Gaggenau aus auf dem europäischen Festland verbreitet hat.

Mehr zu den Eisenwerken Gaggenau in dem Buch „Michael Flürscheim – Industrieller, Sozialökonom, Utopist“, erhältlich im Buchhandel oder über www.buchundbild.de sowie auf www.murgtal-chronik.de

 

 

 

Landesverein Badische Heimat

Wenn Sie sich für die Geschichte unserer Region interessieren, dann sollten Sie sich über die Ziele und Aufgaben des Landesvereins Badische Heimat informieren. Ein umfangreiches Portrait ist in Wikipedia unter http://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Heimat oder deren Website http://www.badische-heimat.de zu finden.  Ansprechpartner der Regionalgruppe Rastatt ist Martin Walter, Leiter des Kreisarchivs Rastatt, Tel. 07222 381 3581, E-Mail; rastatt(at)badische-heimat.de

Programm 2020

Unter Vorbehalt:

  1. Oktober: Dr. Michael Braun: Die europäische Friedensordnung nach dem Ersten Weltkrieg

 

  1. November: Sigrid Gensichen, M.A: Zwischen Schlackenwerth und Rastatt. Markgräfin Franziska Sybilla Augusta von Baden-Baden (1675–1733)

 

  1. Dezember: Thomas Eck: Libellen in unserer Heimat

 

Die Vorträge finden, sofern nicht abweichend angegeben, abends um 20.00 Uhr

in den Fraktionsräumen (D 0.06/D 0.07) im neuen Landratsamt (Am Schlossplatz 5) statt.

Der Zugang erfolgt über den VHS-Eingang.

Kontakt: Martin Walter/Kreisarchiv Rastatt, Am Schlossplatz 5, Tel.: 07222/381-3581.

Der Eintritt ist frei. Beachten Sie bitte die Ankündigungen in der Presse.

1812 – Kleines Sachsentuch – wohl Dresden

Galerie

Diese Galerie enthält 4 Fotos.

Kreuzstich und Petit Point auf Leinen Die Stickerin beginnt oben mit schönen Borten, wobei die Klee­blatt-Borte wie auch die breite Bordüre über den Alphabetreihen auf das Modelbuch des Nürnberger Kupferstechers Johann Siebmacher von 1597 beziehungsweise 16o1 zurückgehen. Eine reizend naive … Weiterlesen

Ausstellung „Landpartien Nordschwarzwald: Von Rastatt ins romantische Murgtal“

Sehr zu empfehlen ist die Ausstellung „Landpartien Nordschwarzwald: Von Rastatt ins romantische Murgtal“, die noch bis 2. Februar 2020 im Stadtmuseum Rastatt zu sehen ist.

Das Römische Haus beim Schloss Rotenfels – Kupferstich von Kuntz/Primavesi um 1805 – Slg. Wessel

Auf der Internetseite des Stadtmuseums Rastatt ist hierzu unter anderem zu lesen:

Der Nord­schwarz­wald: Tou­ris­ten­ziel da­mals und heu­te: Fa­cet­ten­rei­che Schön­heit der Re­gi­on im Fo­kus

Von 24. Mai 2019 bis 2. Fe­bru­ar 2020 prä­sen­tiert das Stadt­mu­se­um Ras­tatt die Aus­stel­lung „Land­par­ti­en Nord­schwarz­wald: Von Ras­tatt ins ro­man­ti­sche Murg­tal“.

Das Be­son­de­re an der Aus­stel­lung: Vier Mu­se­en – das Stadt­mu­se­um Ba­den-Ba­den, Stadt­mu­se­um Ras­tatt, Stadt­mu­se­um Ett­lin­gen und das Pfinz­gau­mu­se­um in Karls­ru­he-Dur­lach – ha­ben sich zu­sam­men­ge­tan und wid­men sich in vier Aus­stel­lun­gen ge­mein­sam dem The­ma „Land­par­ti­en Nord­schwarz­wald“, je­weils mit lo­ka­lem Schwer­punkt.

Das wild­ro­man­ti­sche Murg­tal, das be­zau­bern­de Lust­schloss Fa­vo­ri­te, das ge­schichts­träch­ti­ge Ras­tatt, das Welt­bad Ba­den-Ba­den, das be­schau­li­che Ett­lin­gen oder der Turm­berg in Dur­lach lock­ten seit der Ro­man­tik die Durch­rei­sen­den des Rhein­tals bis heu­te in den Nord­schwarz­wald.

Der Bil­dungs­be­flis­se­nen be­such­te da­ge­gen schon im 18. Jahr­hun­dert die ehe­ma­li­ge Re­si­denz Ras­tatt, die mit ih­rer ge­wal­ti­gen Schloss­an­la­ge, dem ba­ro­cken Stadt­bild und be­deu­ten­den his­to­ri­schen Er­eig­nis­sen be­ein­druck­te. Als Ver­kehrs­kno­ten­punkt wur­de Ras­tatt spä­tes­tens mit dem Bau der Ei­sen­bahn zum Aus­gangs­punkt für das Murg­tal, das mit sei­nen schrof­fen Fels­for­ma­tio­nen, den er­leb­nis­rei­chen Wan­der­we­gen und den pit­to­res­ken Städt­chen die Fahrt aufs Land at­trak­tiv mach­te. Der Rei­sen­de sehn­te sich nach Na­tur, such­te Er­ho­lung und Ge­ne­sung.

Die­se Po­la­ri­tät von Stadt und Land, von Se­hens­wür­dig­kei­ten und Na­tur­er­leb­nis­sen, weck­te zu­neh­mend das In­ter­es­se des Tou­ris­mus. Ei­ne bun­te Pa­let­te schö­ner An­sich­ten, mehr­spra­chi­ger Rei­se­füh­rer und Rei­se­sou­ve­nirs be­le­gen, dass das Ge­schäft mit der „Sehn­sucht nach der Fer­ne“ für die Wirt­schaft im­mer mehr an Be­deu­tung ge­wann.

Mehr unter www.stadtmuseum-rastatt.de

1838 – Stickmustertuch aus Nordschleswig

Galerie

Diese Galerie enthält 4 Fotos.

Seide auf Wollmusselin, Kreuzstich sowie figurierter Plattstich, Alphabete und Zahlen. Als Stickmustertuch Dänemark 1838 (Nordschleswig) Seide auf Wollmusselin. Das Stickmustertuch beginnt mit unterschiedlichen  Alphabeten mit dem für Dänemark üblichen ae und oe nach dem Z sowie Zahlen. In der oberen … Weiterlesen