Announcement: Herzlich willkommen

Herzlich willkommen auf meiner privaten Website mit Historischem zum Murgtal. Sie befindet sich seit September 2012 im Aufbau. Sie wird auch noch benutzerfreundlicher gestaltet. Schwerpunkte sind zunächst Gaggenau mit seinen Stadtteilen, das Benzwerk, die Eisenwerke, Michael Flürscheim und Joseph Vollmer.

Als Ergebnis einer „Schatzsuche“ nach Bildern ab 1922 insbesondere in privaten Fotoalben habe ich den Bildband „Des denkt mir au noch!“ zusammengestellt. Sukzessive werden zu einzelnen Bildern ergänzende Texte eingestellt.

Aber die Schatzsuche“ geht weiter. Schicken Sie mir gerne Ihre „Schätze“ per Mail. Die Bilder sollten in Gaggenau (einschließlich aller Stadtteile) entstanden sein.

Viel Spass beim Stöbern wünscht Ihnen

Michael Wessel

 

Buchvorstellung: Michael Flürscheim – Industrieller – Sozialökonom – Utopist

Fluerscheim Titel 300Im Dezember 2014 erschien das Buch „Michael Flürscheim – Industrieller – Sozialökonom – Utopist“. Es hat 156 Seiten, kostet 19,90 Euro und ist im regionalen Buchhandel, im Unimog-Museum und über www.buchundbild.de erhältlich.

Hier zur Einstimmung der Rückentext:

Betrachtet man das Lebenswerk von Michael Flürscheim (* 1844 in Frankfurt am Main, + 1912 in Berlin), dann hat er vor mehr als hundert Jahren bereits bewiesen, dass es möglich ist, als außergewöhnlich sozial eingestellter Unternehmer besonders erfolgreich zu sein. Hat er doch von 1873 bis 1888 in nur fünfzehn Jahren die Eisenwerke Gaggenau von 40 Mitarbeitern – zeitweise gemeinsam mit Theodor Bergmann – zu einem international bekannten Industrieunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern entwickelt.

Als genialer Denker und Utopist machte er sich durch seine Bücher, Schriften und Vorträge international einen Namen als Kämpfer für die Bodenreformbewegung.

Seine utopischen und teilweise amüsanten Vorstellungen, wie Deutschland in hundert Jahren – somit um 1980 – aussehen könnte, hat er in einem „modernen Märchen“ entwickelt – der Schwerpunkt dieser Veröffentlichung.

Das enorme persönliche und finanzielle Engagement von Michael Flürscheim für die Bodenreform und den Genossenschaftsgedanken war allerdings letztlich nicht von Erfolg gekrönt. Seine fünfzehn Gaggenauer Jahre waren jedoch für die industrielle Entwicklung des Murgtals ein Glücksfall.

1891 – Älteste Ansichtskarte des Murgtals?

AK Rotenfels 1891 - BeuchertBeim Treffen der Postkartensammler der Region wurde die Frage aufgeworfen, welches wohl die älteste Ansichtskarte aus dem Murgtal ist. Bisher hält diesen Spitzenplatz eine Karte mit dem Motiv des Badhauses in Bad Rothenfels, die dort am 24. August 1891 geschrieben und aufgegeben wurde. Nur wenige Tage jünger ist eine Karte aus Gernsbach.

Vielleicht existieren aber auch noch ältere Ansichtskarten? Hinweise bitte an Michael Wessel, Tel. 07225 4347.

Das nächste Treffen der Sammler von Ansichtskarten und Motiven aus der Region in Form von Fotos, Zeichnungen, Lithographien oder Stichen findet am Donnerstag, 13. Oktober 2016, im Nebenzimmer der Gaststätte „Brüderlin“ in Gernsbach statt. Gäste sind willkommen. Tauschmaterial bitte mitbringen.

1888 – Warenkatalog der Eisenwerke mit Kuriositäten

Namensgeber für die Gaggenauer Patent-Kegelbahn war sicherlich das Schweizer Bergmassiv „Rigi“, da man den Berg hinauf kegelte.

Namensgeber für die Gaggenauer Patent-Kegelbahn war sicherlich das Schweizer Bergmassiv „Rigi“, da man den Berg hinauf kegelte.

Das Badische Tagblatt veröffentlichte am 17. 10. 2015 den folgenden Beitrag:

„Illustrirtes Preisverzeichniss“ der Eisenwerke Gaggenau aus dem Jahr 1888 offenbart ein Kabinett der Kuriositäten

Von Michael Wessel

Die Eisenwerke Gaggenau, sie sind schon lange Geschichte. Die unzähligen Produkte, die dort hergestellt wurden auch. Doch findet sich so manches Kuriosum darunter. Zum Beispiel eine zerlegbare Kegelbahn.

Die Eisenwerke waren von 1873 bis 1888 – also in nur 15 Jahren – von einem kleinen Hammerwerk mit 40 Mitarbeitern zu einem international bekannten Industriebetrieb mit über 1000 Mitarbeitern angewachsen. Eine rasante Entwicklung, die auch dazu führte, das Unternehmen im November 1888 rückwirkend zum 1. Januar in eine AG umzuwandeln. Die Gründung der Aktiengesellschaft wurde auch zum Anlass genommen, ein umfangreiches ledergebundenes „Illustrirtes Preisverzeichniss“ herauszugeben. Gefertigt in der eigenen Buchdruckerei und mit Goldschnitt versehen. Es dokumentiert das extrem breitgefächerte Produktionsprogramm vom Aschenbecher bis hin zu stationären Motoren und stellt somit ein wertvolles Zeitdokument dar.
Bis 1888 hatten Michael Flürscheim und Theodor Bergmann die Eisenwerke geleitet. Beide Inhaber ließen sich von den Aktionären ausbezahlen, und Theodor Bergmann leitete fortan alleine den Betrieb. Er war allem Neuen gegenüber aufgeschlossen, firmierte auch als „Etablissement für Neuheiten“ und so fanden Erfinder bei ihm meist ein offenes Ohr.

Titel des ledergebundenen Preisverzeichnisses von 1888

Titel des ledergebundenen Preisverzeichnisses von 1888

Dass dies Probleme mit sich bringen kann, macht das Preisverzeichnis deutlich: Produziert wurden einerseits profane Artikel des täglichen Gebrauchs wie Tischtuchklemmen oder Verschlüsse für Flaschen und Gläser und andererseits Präzisionsgewehre oder hochwertige Drehbänke. Und all das meist in unterschiedlichen Materialien und mit verschiedenen Oberflächen. Dies hatte zur Folge, dass das Preisverzeichnis über 1200 Positionen aufweist. Einige Artikel geben Anlass zum Schmunzeln.

So wird in der Abteilung „Holzwaarenfabrikation“ die zerlegbare „Gaggenauer Patent-Kegelbahn Rigi“ mit ansteigender Lauffläche angeboten, die laut Beschreibung bei zehn bis 13 Metern Länge eine vergleichbare Wirkung erzielte wie eine Kegelbahn der doppelten Länge. Unter den abgedruckten Referenzschreiben ist eines von Ferdinand Seitz, Besitzer des Gasthofs zum „Engel“ im Luftkurort Michelbach: „Die Kürze des Kegelraumes von nur 11 Meter bietet die große Annehmlichkeit, dass man die Kegel besser übersehen kann als sonst. Nach meiner Überzeugung wird Ihre neue Patent-Kegelbahn, soweit sie erst mehr bekannt ist, die alten Bahnen vollständig verdrängen, da meine Gäste selbst sagen, sie möchten nicht mehr auf einer langen Bahn kegeln.“ Er sollte nicht recht behalten.

Die Abteilung „Holzwaarenfabrikation“ bietet auch Leitern mit Sicherheitsgeländer, Behälter und Tisch an. Aus der Eisengießerei wird ein „Signal-Sicherheitstrichter“ angeboten, bei dem ein Luftstrom einen Pfeifton erzeugt, wenn der Behälter voll ist: „So können selbst an den dunkelsten Orten Flaschen gefüllt werden, ohne dass dieselben überlaufen“.

Bei einer Sammelbüchse mit Eichhörnchen ist zu lesen: „Diese neue Sammelbüchse dient ausser ihrem eigentlichen Zweck auch als Cigarrenabschneider. Legt man ein Geldstück auf die Pfoten und drückt auf den Busch, dann führt das Eichhörnchen dasselbe zum Mund und dort fällt es in die am Fusse angebrachte Kasse.“ Ebenfalls angeboten werden „Patent-Hosenstrecker“ für die Reise oder ein „Migrainestift in hochfeiner Ausführung zum Anhängen an Uhrketten oder Armbänder“: „Der Migrainestift selbst enthält garantirt reines Menthol und ist bei Kopfschmerzen von stärkster Wirkung“. Patentiert wurde auch ein automatisch schließendes Tintenfass, „wodurch die Tinte immer rein bleibt und nicht austrocknet“ – in acht Ausführungen.

1888: perforierte Toilettenrollen aus den Eisenwerken Gaggenau

Bereits 1888 boten die Eisenwerke Gaggenau vier Halter für perforiertes Toilettenpapier an - vier Jahrzehnte vor Hakles Produktion in Ludwigsburg.

Bereits 1888 boten die Eisenwerke Gaggenau vier Halter für perforiertes Toilettenpapier an – vier Jahrzehnte vor Hakles Produktion in Ludwigsburg.

Badisches Tagblatt, 25. August 2015         DER MURGTÄLER

Gaggenauer Komfort fürs Closet

Der gerollte Hygieneartikel wurde früher als bislang angenommen hergestellt

Am 26. August ist Tag des Toilettenpapiers

Von Michael Wessel

Gaggenau – Es gibt Gedenktage, die regelmäßig durch die Medien gehen. So ist am morgigen 26. August – man kann es kaum glauben – der internationale Tag des Toilettenpapiers, der toilet paper day. Gibt es einen besseren Anlasse, die Geschichte des Toilettenpapiers, auf die bei solcher Gelegenheit gerne zurückgeblickt wird, zu korrigieren? Denn jetzt belegen zwei Dokumente, dass der Hygieneartikel bereits 1888 in den Eisenwerken Gaggenau in großem Stil hergestellt wurde. Bislang galt als gesichert, dass gerolltes Toilettenpapier in Deutschland erst in den 1920er Jahren produziert wurde.

Bisher wird Hans Klenk zugeschrieben, die Toilettenrolle auf dem europäischen Festland eingeführt zu haben. Der Firmenname, die Abkürzung Hakle, ist vielen geläufig. So schrieb beispielsweise die Berliner Zeitung 2003: „Der schwäbische Unternehmer Hans Klenk wickelte im Jahr 1928 – vor 75 Jahren – zum ersten Mal lange Papierstreifen auf eine Rolle. Damit führte der ehemalige Banker in Europa ein, was die Firma Scott um 1890 in Amerika bereits vorgemacht hatte. Die amerikanische Papierfabrik hatte sich damals noch gescheut, den eigenen Namen auf das als anrüchig empfundene Produkt zu drucken.

Hakle-Produktion erst ab 1928

Auch der Brite W. C. Alcock, der in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Alternative zu den bis dahin üblichen Zeitungsschnipseln erfand, nannte diese schamvoll Papierlockenwickler. Klenk hatte keine derartigen Bedenken und gründete 1928 sein Werk im schwäbischen Ludwigsburg. Als Firmennamen wählte er seine erweiterten Initialen: Hakle. Dazu fiel ihm ein psychologisch wertvoller Werbespruch ein: „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen.“

Diese weit verbreitete Auffassung, dass erst 1928 die Toilettenrolle auf dem europäischen Festland eingeführt wurde, muss jetzt korrigiert werden. Denn bereits fast vier Jahrzehnte zuvor, 1891, wirbt Theodor Bergmann, Geschäftsführer der Eisenwerke Gaggenau, in einer Firmenbroschüre für seine Toilettenrollen: „Papier-Perforier-Anstalt, mit 12 Specialmaschinen, fertigt pro Tag über 2000 Rollen gelochtes Closetpapier und ist bis heute wohl auf dem ganzen Kontinent die einzige derartige Anstalt.“ Zwei Zeichnungen ermöglichen den Blick in die Produktion des gerollten und gelochten Toilettenpapiers.

Die frühe Produktion von Toilettenpapier in den Eisenwerken Gaggenau belegen auch diese beiden Zeichnungen aus dem Jahr 1891.

Die frühe Produktion von Toilettenpapier in den Eisenwerken Gaggenau belegen auch diese beiden Zeichnungen aus dem Jahr 1891.

 

Luxus mit Leuchte und Streichholzhalter

In den Gaggenauer Eisenwerken wurde offensichtlich aber bereits früher Toilettenpapier auf Rollen produziert, denn in einem ledergebundenen „Illustrirtem Preisverzeichnis“, das 1888 anlässlich der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft herausgegeben wurde, werden gleich vier sehr unterschiedliche „Closetclipse für Rollenpapier“ mit folgender Werbebotschaft offeriert: „Die meisten Halter für Rollen-Papier haben den Nachtheil, dass die Rollen zu schwierig einzumachen sind und dass namentlich beim Abreissen zu viel Papier nachläuft, d. h. sich von selbst abrollt und unordentlich herunterhängt. Bei diesen neuen Clips sind diese Mängel beseitigt, indem die Einführung eine sehr einfache ist.“

Diese Formulierung lässt darauf schließen, dass es sich zu diesem Zeitpunkt um keine Neuheit handelte, also gerolltes Toilettenpapier und die dafür notwendigen Halter sogar bereits vor 1888 hier angeboten wurden. Diese kosteten in einfachster Ausführung zehn Mark und in der Luxusvariante mit Leuchter und Streichholzhalter 78 Mark. Die dazu gehörige Rolle mit 1000 Abrissen wurde im Dutzend für zwölf Mark angeboten. Beides also ein besonderer Luxus, wenn man bedenkt, dass die 78 Mark mehr als dem Wochenlohn eines Facharbeiters entsprachen.

Weiter heißt es: „Wir machen noch ausdrücklich darauf aufmerksam, dass unser Rollenpapier perforirt ist, was den grossen Vortheil hat, dass man selten mehr abreisst als eben nothwendig ist, während bei nicht perforirtem Papier immer zu viel abgerollt wird und dieses dann trotz etwas billigerem Ankaufpreis, wesentlich theurer zu stehen kommt, als das unsrige.“

Wie im „Illustrirtem Preisverzeichnis“ weiter zu sehen ist, boten die Eisenwerke auch Halter für „Closetpapierhalter in Buchform“ an. Dabei war man sich nicht zu schade, das Markenzeichen, zwei gekreuzte Pistolen, groß auf das Deckblatt zu drucken.

Am Tag des Toilettenpapiers können wir also feststellen, dass sich die perforierte Klorolle von Gaggenau aus auf dem europäischen Festland verbreitet hat.

Mehr zu den Eisenwerken Gaggenau in dem Buch „Michael Flürscheim – Industrieller, Sozialökonom, Utopist“, erhältlich im Buchhandel oder über www.buchundbild.de sowie auf www.murgtal-chronik.de

 

 

 

Termine zur Heimatkunde

Treffen der Sammler von Postkarten etc.

Postkarte der Gaststätte "Brüderlin" von 1924

Postkarte der Gaststätte „Brüderlin“ von 1924

Die Sammler von Ansichtskarten und Stichen/Lithographien mit Motiven aus dem Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden treffen sich am Donnerstag, 16. März 2017, 19 Uhr, im „Brüderlin“, Gernsbach. Gäste willkommen.

Bitte Tauschmaterial mitbringen.

Rückfragen gerne an Michael Wessel, Tel. 07225 4347 oder wessel-gaggenau(at)t-online.de

Die Termine der Regionalgruppe Rastatt der Badischen Heimat stehen im Beitrag „Badische Heimat“.

 


Landesverein Badische Heimat

Wenn Sie sich für die Geschichte unserer Region interessieren, dann sollten Sie sich über die Ziele und Aufgaben des Landesvereins Badische Heimat informieren. Ein umfangreiches Portrait ist in Wikipedia unter http://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Heimat oder deren Website http://www.badische-heimat.de zu finden.  Ansprechpartner der Regionalgruppe Rastatt ist Martin Walter, Leiter des Kreisarchivs Rastatt, Tel. 07222 381 3581, E-Mail; rastatt(at)badische-heimat.de

Nächste Termine:

  • 19. Oktober: Elsässisch-Badischer Lieder- und Mundartabend mit Brigitte Wagner und Serge Rieger
  • 9. Dezember: Dr. Johannes Werner: ‚Der Kalmück‘. Das Leben des badischen Hofmalers Feodor Iwanowitsch.

 Die Vorträge finden, sofern nicht abweichend angegeben, um 20 Uhr in den Fraktionsräumen (D 0.06/D 0.07) im neuen Landratsamt in Rastatt (Am Schlossplatz 5) statt.

Der Zugang erfolgt über den VHS-Eingang. Die mit dem Kürzel (KT) versehenen Vorträge finden im Kreistagssaal statt.

Kontakt: Martin Walter/Kreisarchiv Rastatt, Am Schlossplatz 5, Tel.: 07222/381-3581.

Der Eintritt ist frei. Beachten Sie bitte die Ankündigungen in der Presse.

 

 

 

 

Flürscheim fertigte die erste Luftpistole in Deutschland

Badisches Tagblatt vom 19. Februar 2015:

Die Flürscheim-Pistole samt Spannvorrischtung und Munition ist noch bis 8. März 2015 im Unimog-Museum zu sehen

Die Flürscheim-Pistole samt Spannvorrischtung und Munition ist noch bis 8. März 2015 im Unimog-Museum zu sehen

Plagiat als Grundstock für Gaggenauer Waffenschmiede

1878 wurde in den Eisenwerken die erste deutsche Luftpistole hergestellt – basierend auf einem US-Modell

Von Michael Wessel

Gaggenau – Die Herstellung von Luftpistolen und Luftgewehren war Ende des 19. Jahrhunderts ein wesentlicher Produktionsschwerpunkt der damaligen Eisenwerke. Zwei gekreuzte Luftpistolen wurden sogar für lange Zeit ein Warenzeichen des Gaggenauer Werkes. Luftpistolen bildeten auch die Ausgangsbasis der Waffenproduktion der Bergmann-Industriewerke im benachbarten Ottenau sowie der Diana-Werke in Rastatt.

Im Unimog-Museum ist derzeit in der Winterausstellung „Von der Hammerschmiede zum Hightech-Werk – Metallverarbeitung im Murgtal“ das erste Modell einer Gaggenauer Luftpistole samt originalem Holzkästchen, Spannvorrichtung und Munition zu sehen. Die Ausstellung endet am Sonntag, 8. März.

1878 hatte sich der damalige Eigentümer der Gaggenauer Eisenwerke, Michael Flürscheim, diese Luftpistole patentieren lassen. Fachleute sehen darin jedoch die dreiste Kopie der Luftpistole von Haviland & Gunn, für die 1872 in den USA ein Patent  erteilt wurde.

Aus Nordamerika mitgebracht

Das würde passen, denn bis 1872 hielt sich Flürscheim in den Vereinigten Staaten auf. Dort interessierte es wenig, was in Old Europe passierte. Vermutlich hatte Flürscheim ein solches Exemplar in seinem Gepäck.

Als Theodor Bergmann 1879 von Michael Flürscheim zum Folgejahr für eine Mitarbeit als Geschäftsführer gewonnen wurde, lief die Produktion von Luftpistolen also bereits. Vom Hobby-Heimatforscher Willi Echle wurde in den 1950er Jahren die Aufnahme der Produktion von Luftpistolen noch Theodor Bergmann zugeschrieben.

Als im November 1888 die Eisenwerke rückwirkend zum 1. Januar 1888 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurden, erschien ein repräsentativer Warenkatalog. Schmunzeln muss man, wenn als erste Artikel der „Abtheilung IV. Waffenproduktion“ Taschen-Pfeilbogen, Patent-Knabenpistolen und Patent-Knabenfederpistolen mit Percussion „Favorite“ angeboten werden.

Dann aber folgen bereits vier verschiedene patentierte Luftpistolen. Das erste Modell entspricht dem der Ausstellung im Unimog-Museum und hat die zusätzliche Bezeichnung „MF“, was auf Michael Flürscheim deutet.

Historisches

Die beiden weiteren Pistolen hat haben die Bezeichnungen „EG“ und „TB“ – wohl für Eisenwerke Gaggenau und für Theodor Bergmann. Das vierte Modell wird mit „P. P.“ für Patent-Präcisions-Scheibenpistole bezeichnet. Während das Modell „MF“ mit Samt-Etui, sechs Bolzen und 100 Schuss Munition vernickelt 12,50 Mark und nur lackiert acht Mark kostet, ist das Modell „EG“ bereits für sechs beziehungsweise vier Mark zu haben. Als Sonderausstattung kostet es mit Hartgummibacken und verdeckter Feder eine Mark mehr.

Zur Patent-Präcisions-Scheibenpistole heißt es: „Diese Pistole entspricht allen gerechten Anforderungen, die an eine Luftpistole gestellt werden können, indem das Laden nur mit drei Griffen geschieht und der Schuss ein äußerst präciser ist. Ebenso ist die Form und Ausstattung eine höchst elegante.“ Sie kostete allerdings vernickelt auch 25 Mark.

Angeboten werden weiterhin sieben Luftgewehre, zwei Knabengewehre und zwei „combinierte Luft- und Feuergewehre“. Zu diesen heißt es: „Diese neu construierte Sportwaffe vereinigt die Vortheile der bekannten Luftgewehre und der sog. Tesins und Floberts, indem sie sowohl als geräuschlos und sicher schiessendes Luftgewehr, wie als weittragende, ernsthafte Feuerwaffe mit Kugel- oder Schrotschuss verwendet werden kann.“

Für die Jagd wurde in zwei Qualitäten ein Repetier-Gewehr offeriert, „welches in geladenem und gespanntem Zustande ein Nachfüllen des Magazins gestattet“. Angeboten werden zu diesen Gewehre auch Mündungspfropfen und Stahlbürsten. Im Angebot der „Abtheilung IV Waffenproduktion“ war zudem ein „Scheibenkasten mit schwingendem Vogel um Schnellschiessen zu üben“.

Hinzu kamen weitere sehr unterschiedliche Scheiben. Darunter eine mit automatischer Schussanzeige. Bei einer anderen begrüßten sich zwei Herren, wenn ins Schwarze getroffen wurde.

Interview zur Herausgabe des Flürscheim-Buches

Michael Wessel auf der Flürscheim-Brücke – vor der Fassade des einstigen Eisenwerks

Foto: Senger

Badisches Tagblatt, 11. Dezember 2014

 

„Als hätte ich einen Schatz gefunden“

Buchautor und Herausgeber Michael Wessel über einen wieder entdeckten Zukunftsroman von Michael Flürscheim

Gaggenau – „Michael Flürscheim – Industrieller – Sozialökonom – Utopist“ heißt das neue Buch von BT-Mitarbeiter Michael Wessel. Es beschreibt Flürscheims Wirken in Gaggenau, seinen anschließenden Kampf für die Bodenreform und das Genossenschaftswesen – und beinhaltet einen in Vergessenheit geratenen Zukunftsroman aus den Jahren 1886 und 1887. In ihm beschreibt Flürscheim, wie er sich Deutschland in 100 Jahren vorstellt. Das BT befragte Michael Wessel, den Herausgeber des Buchs, zu seiner neuesten Veröffentlichung.

BT: Herr Wessel, was hat Sie bewogen, ein Buch über Flürscheim und seinen Zukunftsroman herauszugeben?

Michael Wessel: Bereits als Personaler in „unserem Benzwerk“ habe ich mich mit der Industriegeschichte des Murgtals befasst und einiges zur Geschichte des Werks und speziell des Unimog veröffentlicht. In meiner Zeit als Stadtrat hat mich mein damaliger Kollege Helmut Böttcher auf Flürscheim aufmerksam gemacht. Es gelang uns 1982 gegen einigen Widerstand, dass der neue Steg über die Murg „Flürscheimbrücke“ genannt wurde.

BT: Warum?

Wessel: Bereits damals war ich der Auffassung, dass die Bedeutung Flürscheims für die Entwicklung von Gaggenau nicht hinreichend gewürdigt wurde. Auch in Baden-Baden, wo er immerhin von 1885 bis 1890 gewohnt hat, ist er bisher weitgehend unbekannt.

BT: Bisher gilt Theodor Bergmann als der große Gaggenauer Industriepionier.

Wessel: Bergmanns wichtige Rolle ist hinlänglich bekannt. Es war sicher das Zusammenwirken der beiden Unternehmerpersönlichkeiten, das Ende des 19. Jahrhunderts zu der rasanten Entwicklung der Eisenwerke Gaggenau führte.

BT: Und was fasziniert Sie besonders an Flürscheim?

Wessel: Anfangs habe ich mich nur mit seiner Gaggenauer Zeit beschäftigt. Die war faszinierend genug. Hat er doch bewiesen, dass man auch als außergewöhnlich sozial engagierter Unternehmer sehr erfolgreich sein kann. Die Aufzählung der sozialen Leistungen für seine Mitarbeiter in den 1880er Jahren klingt schier unglaublich. Verwunderlich ist, dass dies nicht schon früher über die Region hinaus gewürdigt wurde. Mich hat auch fasziniert, dass er neben der Leitung der Eisenwerke die Zeit fand, wissenschaftliche Werke ausführlich zu studieren und vor allen Dingen selbst zu schreiben.

BT: Was begeistert Sie an dem Zukunftsroman?

Wessel: Flürscheim hat darin vor mehr als 125 Jahren eine Zukunftsperspektive entwickelt, die zu seiner Zeit kaum jemand zu denken gewagt hätte. Wer hätte beispielsweise wie er vermutet, dass Frauen und Männer vollkommen gleichberechtigt sind, einer gut bezahlten Arbeit nachgehen und wohlgenährt in einem eigenen Haus leben sowie am kulturellen Leben teilhaben können?

BT: Wie sind Sie auf das Werk gestoßen?

Wessel: Die Leiterin des Stadtarchivs, Karin Hegen-Wagle, hatte mir schon vor einiger Zeit eine nicht ganz vollständige und schlecht lesbare Fotokopie zur Verfügung gestellt. Ich las das Werk voller Begeisterung an einem Stück durch und machte mich auf die Suche nach einem Original. Das schien anfangs unmöglich – im vergangenen Jahr war ich dann doch erfolgreich.

BT: Wo?

Wessel: Internetrecherchen haben mich zu dem Anbieter geführt. Es war, als hätte ich einen Schatz gefunden.

BT: Wen sehen Sie als Zielgruppe Ihrer Veröffentlichung?

Wessel: Vor allem Lehrer und Schüler der Region. Daher habe ich den Roman nicht nur reproduzieren, sondern in einer heute gut lesbaren Schrift neu setzen lassen. Eines meiner nächsten Vorhaben ist es, auf Basis des Buchs und weiterer Unterlagen mit Schulklassen die Industriegeschichte von Gaggenau zu erarbeiten. Ergebnisse könnten auf meiner Website www.michael-fluerscheim.de oder in anderer Form veröffentlicht werden.

Natürlich freue ich mich auch über heimatgeschichtlich interessierte Bürger der Region sowie Sozialwissenschaftler, Unternehmer, Gewerkschafter bis hin zu Utopisten.

„Michael Flürscheim – Industrieller – Sozialökonom – Utopist“

erscheint am 13. Dezember. Es enthält auch einen Stammbaum von Flürscheim und eine Geschichte der Eisenwerke. Es ist im Buchhandel und im Unimog-Museum erhältlich oder über: www. buchundbild.de

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