Ausstellung „Landpartien Nordschwarzwald: Von Rastatt ins romantische Murgtal“

Sehr zu empfehlen ist die Ausstellung „Landpartien Nordschwarzwald: Von Rastatt ins romantische Murgtal“, die noch bis 2. Februar 2020 im Stadtmuseum Rastatt zu sehen ist.

Das Römische Haus beim Schloss Rotenfels – Kupferstich von Kuntz/Primavesi um 1805 – Slg. Wessel

Auf der Internetseite des Stadtmuseums Rastatt ist hierzu unter anderem zu lesen:

Der Nord­schwarz­wald: Tou­ris­ten­ziel da­mals und heu­te: Fa­cet­ten­rei­che Schön­heit der Re­gi­on im Fo­kus

Von 24. Mai 2019 bis 2. Fe­bru­ar 2020 prä­sen­tiert das Stadt­mu­se­um Ras­tatt die Aus­stel­lung „Land­par­ti­en Nord­schwarz­wald: Von Ras­tatt ins ro­man­ti­sche Murg­tal“.

Das Be­son­de­re an der Aus­stel­lung: Vier Mu­se­en – das Stadt­mu­se­um Ba­den-Ba­den, Stadt­mu­se­um Ras­tatt, Stadt­mu­se­um Ett­lin­gen und das Pfinz­gau­mu­se­um in Karls­ru­he-Dur­lach – ha­ben sich zu­sam­men­ge­tan und wid­men sich in vier Aus­stel­lun­gen ge­mein­sam dem The­ma „Land­par­ti­en Nord­schwarz­wald“, je­weils mit lo­ka­lem Schwer­punkt.

Das wild­ro­man­ti­sche Murg­tal, das be­zau­bern­de Lust­schloss Fa­vo­ri­te, das ge­schichts­träch­ti­ge Ras­tatt, das Welt­bad Ba­den-Ba­den, das be­schau­li­che Ett­lin­gen oder der Turm­berg in Dur­lach lock­ten seit der Ro­man­tik die Durch­rei­sen­den des Rhein­tals bis heu­te in den Nord­schwarz­wald.

Der Bil­dungs­be­flis­se­nen be­such­te da­ge­gen schon im 18. Jahr­hun­dert die ehe­ma­li­ge Re­si­denz Ras­tatt, die mit ih­rer ge­wal­ti­gen Schloss­an­la­ge, dem ba­ro­cken Stadt­bild und be­deu­ten­den his­to­ri­schen Er­eig­nis­sen be­ein­druck­te. Als Ver­kehrs­kno­ten­punkt wur­de Ras­tatt spä­tes­tens mit dem Bau der Ei­sen­bahn zum Aus­gangs­punkt für das Murg­tal, das mit sei­nen schrof­fen Fels­for­ma­tio­nen, den er­leb­nis­rei­chen Wan­der­we­gen und den pit­to­res­ken Städt­chen die Fahrt aufs Land at­trak­tiv mach­te. Der Rei­sen­de sehn­te sich nach Na­tur, such­te Er­ho­lung und Ge­ne­sung.

Die­se Po­la­ri­tät von Stadt und Land, von Se­hens­wür­dig­kei­ten und Na­tur­er­leb­nis­sen, weck­te zu­neh­mend das In­ter­es­se des Tou­ris­mus. Ei­ne bun­te Pa­let­te schö­ner An­sich­ten, mehr­spra­chi­ger Rei­se­füh­rer und Rei­se­sou­ve­nirs be­le­gen, dass das Ge­schäft mit der „Sehn­sucht nach der Fer­ne“ für die Wirt­schaft im­mer mehr an Be­deu­tung ge­wann.

Mehr unter www.stadtmuseum-rastatt.de

Neuerscheinung: „Verstreute Spuren – verblasste Erinnerungen“ von Ulrich Behne

Das jüdisch geführte Kaufhaus Guggenheim in der Stadtmitte von Gaggenau um 1914
Sammlung Wessel

Thomas Senger vom Badischen Tagblatt schreibt zur Neuerscheinung: „Verstreute Spuren – verblasste Erinnerungen“ von Ulrich Behne:

Ein Buch über die Vergessenen

Ulrich Behne ruft das jüdische Leben in Gaggenau, Hörden und Rotenfels in Erinnerung

Es ist das bisher schlimmste Kapitel der Menschheitsgeschichte, und es wurde auch im Murgtal geschrieben. Die Erinnerung daran, die hat man verblassen lassen, denn in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der Nazi-Diktatur, da wollte man sich nicht gerne erinnern. Mit dem Buch „Verstreute Spuren – Verblasste Erinnerungen“ hat Ulrich Behne nun ein Werk vorgelegt, das die Juden aus Hörden, Gaggenau und Rotenfels aus der Vergessenheit holt.
Der ehemalige Lehrer am Goethe-Gymnasium und Vorsitzende des Kulturrings Gaggenau hat sich einer Aufgabe gestellt, die andere Lokalhistoriker nicht gesehen haben, vielleicht nicht sehen wollten. Wer Behne je als Lehrer erlebt hat, wie er junge Menschen für Geschichte begeistern wollte, der weiß, wie der noch 79-Jährige – er wird am 3. April 80 Jahre alt – sich in ein Thema „hineinkniet“, wie er es bezeichnet. Behne hat Spuren gesucht in den Ortschaften, in den Häusern und in den Archiven. Vielleicht, vielleicht hat es ihm dabei geholfen, dass er als einst „Zugezogener“ sich nicht verschämt ducken musste, wenn die Taten der Väter- oder Großvätergeneration der Murgtäler zur Sprache kamen. Eine Lektüre, die berührt Wenn man sein Buch liest, wenn man Ulrich Behne im Gespräch darüber erlebt, dann spürt man, dass er bei allem Quellenstudium, bei allem Streben nach Fakten sich persönlich hat berühren lassen von dem Schicksal der Familien, der Frauen und Männer, der Kinder und Alten; die Murgtäler waren unter Murgtälern, Nachbarn unter Nachbarn, Freunde unter Freunden – und doch einem scheinbar unausweichlichen Schicksal entgegengingen, das in Flucht, Vertreibung oder Vernichtung endete.

Es ist nicht nur das Zusammentragen von Fakten, was das Buch lesenswert macht, es sind die darin vorkommenden Menschen, deren Geschichten, die es zu einer berührenden Lektüre werden lassen. In drei Hauptteilen nimmt sich Behne des Themas an: Die jüdische Gemeinde in Hörden, Jüdische Kaufleute in Gaggenau und das Kapitel über den Rotenfelser Arzt Dr. Meyerhoff und seine Familie. Im Anhang geht Behne darüber hinaus auf den Theologen und Schriftsteller Alban Stolz ein, ein Antisemit seiner Zeit, der in Rotenfels von 1833 bis 1835 als Kaplan tätig war. Die Nazi-Diktatur, sie formte den größten Fäkalienhaufen der deutschen Geschichte. Das Buch von Ulrich Behne kann dazu beitragen, dass Antisemitismus nie wieder tolerierbar wird -egal, ob es ein übernommener Antisemitismus ist oder ein bereitwillig importierter.

Ulrich Behne (2019): Verstreute Spuren – verblasste Erinnerungen. Verlag Regionalkultur, 176 Seiten, ISBN 978-3-95505-131-0. Das Buch ist für 17,90 Euro im regionalen Buchhandel erhältlich.

Literatur zu Gaggenau

Zur Kernstadt Gaggenau und den einzelnen früher selbständigen Stadtteilen sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Veröffentlichungen erschienen. Diese Kurzübersicht wird um Inhaltsbeschreibungen und weitere Bilder ergänzt. Bitte noch keine Bücher nachmelden, bevor ich meinen Schrank abgearbeitet habe. Das habe ich für März 2018 vor.

GAGGENAU

Echle, Willi: Gaggenau in Vergangenheit und Gegenwart, Gaggenau, 1968 (mit 285 Seiten das erste umfangreiche Standardwerk)

 

 

Langenmaier, Arnica-Verena: GAGGENAU – 60 Jahre Stadt, Gaggenau 1983

 

 

 

Langenmaier, Arnica-Verena: GAGGENAU – eine Stadt gibt sich die Mitte, Gaggenau, 1984

 

 

 

Lindemann, Klaus E. R., Gaggenau – Portrait der blühenden Stadt an der Murg, Karlsruhe, 1978

 

 

 

Für weitere Bücher aus den Stadtteilen hier klicken: Weiterlesen

Die „Schatzsuche“ geht weiter

Sehr interessante „Schätze“ konnten in den letzten Monaten in Gaggenauer Fotoalben geborgen werden. Daher geht die „Schatzsuche“ weiter.

Hier einige Beispiele, zu denen noch Bilder gesucht werden: Partnerschaft mit Annemasse (nur Bilder aus Gaggenau), Scheibenschlagen in Hörden, Brezelwürfeln, Wächtersingen und anderes Brauchtum, erfolgreiche Sportler wie Jakob Scheuring, „Spiel ohne Grenzen“ im VfB-Stadion, Arnim Dahl beim Kaufhaus Bracht, Steffi Graf beim Tennisclub Blau-Weiss, Handwerker und Industriebetriebe. Bilder von Kinderfesten sind dagegen in ausreichender Zahl vorhanden.

Es werden zukünftig an dieser Stelle auch Bilder veröffentlicht, zu denen weitere Informationen wie Anlass, Namen der Personen oder Aufnahmejahr gesucht werden. Die ersten beiden Beispiele:

Wann entstand dieses Bild bei den „Segelfliegern“(?) und wer ist darauf zu erkennen?

Hierzu schrieb Horst Göricke: „Das Bild bei den Segelfliegern entstand 1952 anlässlich der Ausstellung im Gasthaus „Kreuz in Gaggenau“. Auf dem Bild sind zu erkennen: Kurt Richter mit seinem Modell “ANTHÖFER”, des weiteren Hermann Lang, Adolf Kretz und Werner Heise.

Und wann entstand dieses Bild, das den Musikverein Rotenfels – damals noch ohne „Bad“ – vor der alten Turnhalle zeigt und wer ist zu erkennen?

 

 

 

 

Wie hieß der Arzt, der 1963  im Rotenfelser Kurgarten in der Nähe des früheren Kurmittelhauses Gymnastik macht?facebook Gaggenau Rot Kurmittelhaus 1963 - AK Wessel Kopie

 

 

 

 

Wie heißen die drei Pfarrer bei der Glockenweihe in Ottenau 1954?facebook Gaggenau Ott drei Pfarrer Glocken - Frank Ebinger Kopie

 

 

 

 

 

Wer hat ein besseres Bild von Dekan Joseph Vogt?facebook Gaggenau Ott Dekan Josef Vogt - Frank Ebinger Kopie

 

 

 

 

 

 

 

Wann in den 1920er Jahren wurde dieses Bild mit Sulzbacher Turnern aufgenommen. Mit dreiviertel-langen Hosen als Dritter von links Wendelin Schnepf zu sehen. Wer waren die anderen?facebook Gaggenau Sulz Turnerriege 20er  kurze Hosen Wendelin Schnepf - Winfried Schnepf  Kopie

 

Museum für Wirtschaftsgeschichte in Gaggenau?

Im Badischen Tagblatt schrieb Thomas Senger am 2. März 2013 in der Rubrik „Talblick“:

Erfolg mit Geschichte

Eines wird man von den Gaggenauern -den Bürgern, Geschäftsleuten und Kommunalpolitikern – wohl nicht behaupten können: Dass sie sich zu viele Gedanken um die Industrie- und Wirtschaftshistorie ihrer Stadt machen würden. Dabei wird da Potenzial achtlos liegengelassen. Immerhin sollen – endlich – die großen Leuchtbuchstaben auf dem Backsteingebäude am Glasersteg wieder leuchten. Da, wo wirklich Wirtschafts-, Industrie- und auch Designgeschichte geschrieben wurde. Ein Anfang. Ein klitzekleiner Neu-Anfang.

Aktive des Turnerbundes Gaggenau

Aktive des Turnerbundes Gaggenau

Man bedenke: Seit 1683 von Markgraf Ludwig-Wilhelm die Grundlage für die Entwicklung der Eisen- und späteren Gaggenau-Werke gelegt wurde, haben unzählige Produkte den Namen der kleinen Stadt an der Murg in alle Welt getragen. Einige davon haben das, was man „Kult-Status“ zu nennen geneigt ist. Nein, das ist nicht nur der Unimog. Gaggenauer Glas – einst heiß begehrt. Oder: 250000 „Badenia“-Fahrräder wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts hier hergestellt. Sprung in die Zeit nach 1945: Wo wurden die ersten Einbaubacköfen gebaut? Die Antwort findet man dort, wo man den Namen zu schätzen weiß: gaggenau.com.

Nun hat der Hersteller von exklusiven Küchengeräten Gaggenau schon vor Jahren den Rücken gekehrt. Das ist sehr bedauerlich. Aber der Name, der ist da.

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Charlie Kappler, der Sebastian Vettel der 1920er Jahre

In den 1920er Jahren war der Gernsbacher Karl Kappler – genannt Charlie – ein besonders erfolgreicher Rennfahrer in Deutschland und genoss eine Popularität wie heute Sebastian Vettel und vor einigen Jahren Michael Schumacher.

In der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau – dem heutigen Mercedes Werk – fing Kappler als Lehrling an und gewann bereits 1907 als Fünfzehnjähriger sein erstes Rennen, eine so genannte Subventionsfahrt mit einem Lastwagen von Stuttgart nach Berlin.

Kreisarchivar Martin Walter hat das Lebenswerk des Gernsbacher Rennfahrers unter anderem in seinem Buch „Karl Kappler – Der badische Pionier des Motorsports“ interessant beschrieben. Es ist im Casimir Katz Verlag erschienen.

Zum 50. Todestag von Karl Kappler veröffentlichte das Badische Tagblatt am 8. Dezember 2012 folgenden Artikel. Bitte „Weiterlesen“ anklicken:

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Willy Seck entwickelte den Gaggenauer Volkswagen

Das Gaggenauer „Volks-Automobil Liliput“ wurde 1905 als der „billigste kleine Motorwagen der Welt“ angepriesen. Doch mit der Idee eines Volkswagens war man hier offensichtlich der Zeit zu weit voraus. Es wurde ein Flop, wie man heute zu sagen pflegt. Nur wenige Exemplare wurden in Bergmann’s Industriewerken in Gaggenau sowie im Zweigwerk Suhl und ab 1905 in der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau gebaut. Lediglich zwei Liliput sind erhalten geblieben. Nach seinem Konstrukteur Willy Seck wurde im Dezember 2012 in Oberursel eine Straße benannt.

Ein Gaggenauer Liliput bei der Ausstellung "Aller Laster Anfang" 2010/2011 im Unimog-Museum

Rechts ein Gaggenauer Liliput bei der Ausstellung „Aller Laster Anfang“ 2010/2011 im Unimog-Museum

Hier zum Weiterleses des Beitrags im Badischen Tagblatt vom 3. 1. 2013 klicken: Weiterlesen

Glasindustrie begründet Industriestandort Gaggenau

Wenn die Ursprünge des Industriestandortes Gaggenau aufgespürt werden, dann wird zuallererst der Bau eines Hammerwerkes durch den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, bekannter als der „Türkenlouis“, um das Jahr 1680 genannt. Doch dieses Hammerwerk hatte fast 200 Jahre keine besondere Bedeutung. Wechselnde Besitzer versuchten erfolglos ihr Glück. Dies änderte sich erst, als es der Industrielle Michael Flürscheim 1873 kaufte und später gemeinsam mit Theodor Bergmann als Eisenwerke Gaggenau zu Weltgeltung brachte. Auch die Suche nach Eisenerzen – beispielsweise imHilpertsloch – war ein Flop und ist somit einer Erwähnung kaum wert.

Den wesentlichen Impuls für die Industrialisierung von Gaggenau gab der Unternehmer und Gaggenauer Oberschultheiß Anton Rindeschwender, als er 1772 die Waldglashütte von Mittelberg an die Murg verlegte und zu einer Glasfabrik ausbaute.

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Geschichte der Eisenwerke Gaggenau

1683           Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden verpachtet das neu erbaute Gaggenauer Hammerwerk (Eisenschmelze, Hammerwerk und Nagelschmiede) an Hauptmann Adam Ernst von der Dekhen

Produktion: Schmiedeeisen und Nägel

Im 18. und Anfang des 19. Jh. erfolgt bei wechselnden Besitzverhältnissen und Schwierigkeiten bei der Eisen- und Holzbeschaffung die Erweiterung des Produktionsprogramms

1801           Louis Görger kauft das markgräfliche Eisenwerk

1840           nach seinem Tode übernimmt sein Schwiegersohn Anton Klehe das Werk

Gaggenauer Eisenhammer um 1840 – Lithographie

1848           übernimmt sein Sohn Louis Klehe das Werk mit mittlerweile 40 Mitarbeitern und baut es weiter aus

1852           Errichtung der ersten Gießerei mit Kupolofen im Murgtal

1858           Inbetriebnahme eines durch Wasserkraft der Murg betriebenen Walzwerkes

Einrichtung von Dreherei, Modellschreinerei und Montagewerkstätten.

Produkte sind landwirtschaftliche Maschinen (Pflüge, Eggen), die aus eigenem Rohstoff hergestellt werden.

1873           Michael Flürscheim und Franz Korwan kaufen am 1. Februar das Eisenwerk von Ludwig Klehe

Firmenname: „Korwan und Flürscheim Eisenwerke Gaggenau bei Rastatt“ (vormals Louis Görger)

Neue Produkte: Eisenkonstruktionen, Brücken, Geländer, Gasregulatoren, Schrot- und Farbmühlen

Am 17. 12. des gleichen Jahres scheidet Franz Korwan krankheitsbedingt aus. Er verstirbt zwei Monate später

1874 – 1891           Besondere soziale und fortschrittliche Betriebseinrichtungen

Krankenkasse für Arbeiter, Angestellte und deren Familien, Unterstützungskasse, Arbeiter-Sparkasse, Konsumverein, Speiseanstalt, Feuerwehr, Gewerbeverein, Turnverein, Gewerbeschule, Arbeiterwohnungen (heute Theodor-Bergmann-Straße)

1878           Aufnahme der Produktion von Luftpistonen (später Firmenzeichen) für die im Februar 1879 ein Patent an Michael Flürscheim erteilt wird.

Eisenwerke Gaggenau um 1891

1880           Theodor Bergmann, ein Herdfabrikant aus Konstanz, tritt in die Firma ein.

Emailierwerk, Stanzerei, Vernickelungsanstalt, Buchdruckerei, Schreinerei und Kunstgießerei werden eingerichtet. Neues Produkt: Badenia-Fahrräder

150 Mitarbeiter

1884           Bergmann wird Teilhaber. Firmenname: „Eisenwerke Gaggenau, Flürscheim und Bergmann“

1886           Das erste Gaggenauer Automobil soll hergestellt worden sein; vermutlich handelte es sich um einen lenkbaren Dampfwagen, der durch eine kleine Dampfmaschine betrieben wurde

608 Mitarbeiter

1887           Die Eisenwerke erhalten Großaufträge für Reklameschilder der Weltfirmen Stollwerck (Köln), Maggi (Singen), Odol (Dresden) und Tobler (Schweiz)

Bau der ersten Gasfabrik

1888           Die Eisenwerke werden zu Jahresbeginn eine Aktiengesellschaft. Michael Flürscheim scheidet aus. Alleiniger Firmenleiter ist Theodor Bergmann

1041 Mitarbeiter

1891           Das Produktionsprogramm umfasst rund 200 alphabetisch aufgelistete Erzeugnisse; sie reichen vom Armleuchter bis zur Zierkanne.

Haupterzeugnis des Emailierwerks: „Gaggenauer Email-Majoliken“

Theodor Bergmann, der Ende der 80er Jahre in Ottenau zahlreiche Grundstücke erwarb und darauf bereits Firmengebäude erstellte, scheidet zum Jahresende aus und macht sich selbständig.

1894           Adolf Steffen wird Direktor

Einschränkung der Produktionspalette (u. a. wird die Waffenproduktion eingestellt). Es werden hauptsächlich Fahrräder, Gasherde und Gaskocher produziert.

1910/1911           Ankauf des Firmengeländes der ehemaligen Glashütte Gaggenau

Neubau einer modernen Gießerei

1928           Stilllegung der AG als Folge der Weltwirtschaftskrise

1931           Wiedergründung der Eisenwerken als GmbH unter dem neuen Inhaber Dr. Otto von Blanquet

Spezialisierung auf Kohle- und Gasherde

Neuer zusätzlicher Produktionszweig: Elektroherde und Großküchenanlagen

1939 – 1945           Teilweise Umstellung auf Rüstungsproduktion

1944           Fast alle Werksanlagen werden am 10. September durch den Bombenangriff auf die Stadt Gaggenau zerstört

1948           Erweiterung und Modernisierung der ursprünglichen Produktionspalette:

Kohlen-Sparherde, Gas-Sparherde, Elektro-Vollherde Modell „Favorit“ und „Fortuna“

180 Mitarbeiter

1962           Die gesamte Werksanlage wird auf das Areal der früheren Glashütte verlegt. Zusätzliche neue Produkte: Küchenlüftungs-, Kücheneinbau- und Heizungsgeräte

Ausbau des Vertriebs durch Tochtergesellschaften in Europa

1975           Umbenennung der Firma in „Gaggenau-Werke, Haus- und Lufttechnik GmbH“

1989           Die Produktion der Gaggenaue-Werke wird in zwei neu errichtete Hallen in Bad Rotenfelser Gewann Wissigfeld verlagert

1994           Übernahme der Gaggenau-Werke zum Jahresende durch die Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH, München

1997           Die Gaggenau-Werke verlagern die Entwicklung und Produktion ins elsässische Lipsheim. Der Vertrieb verbleibt zunächst in Gaggenau

2002           Zum Jahresende wechselt der Vertrieb nach München

2003           „Die Genussakademie“ verbunden mit Ausstellungsräumen der Gaggenau-Küchen wird eingerichtet

Quelle u. a.:

„Theodor Bergmann zum 150. Geburtstag“, Herausgeber: Stadt Gaggenau, Bearbeitung: Stadtarchiv Gaggenau, Mai 2000 und Recherchen von Michael Wessel

Entnommen der Schrift: „Eisenwerke Gaggenau AG“ – Nachdruck einer Broschüre aus dem Jahr 1891. 2009 erschienen im BadnerBuch Verlag, http://www.badnerbuch-verlag.de