Willy Seck entwickelte den Gaggenauer Volkswagen

Das Gaggenauer „Volks-Automobil Liliput“ wurde 1905 als der „billigste kleine Motorwagen der Welt“ angepriesen. Doch mit der Idee eines Volkswagens war man hier offensichtlich der Zeit zu weit voraus. Es wurde ein Flop, wie man heute zu sagen pflegt. Nur wenige Exemplare wurden in Bergmann’s Industriewerken in Gaggenau sowie im Zweigwerk Suhl und ab 1905 in der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau gebaut. Lediglich zwei Liliput sind erhalten geblieben. Nach seinem Konstrukteur Willy Seck wurde im Dezember 2012 in Oberursel eine Straße benannt.

Ein Gaggenauer Liliput bei der Ausstellung "Aller Laster Anfang" 2010/2011 im Unimog-Museum

Rechts ein Gaggenauer Liliput bei der Ausstellung „Aller Laster Anfang“ 2010/2011 im Unimog-Museum

Hier zum Weiterleses des Beitrags im Badischen Tagblatt vom 3. 1. 2013 klicken:

In Oberursel hatte der erst 23 Jahre alte Willy Seck 1891 in den Werkstätten seines Vaters Wilhelm Seck einen handlichen Standmotor, der mit Petroleum betrieben wurde, entwickelt. Dieser Viertakt-Motor hatte sechs PS, war für den Antrieb von Maschinen gedacht und erhielt den Namen „GNOM“. Er wurde weiter entwickelt und es wurden sogar Lizenzen auch für den Einbau in Flugzeuge und Lokomotiven vergeben. Die Einnahmen daraus flossen in den Aufbau der Motorenfabrik Willy Seck & Co, aus der die Motorenwerke Oberursel hervorgingen – heute ein Zweigwerk von Rolls-Royce.

Als die Gesellschafter von Willy Seck & Co den Einbau der Motoren in Automobile versagten, verließ Willy Seck 1897 Oberursel.

Drei Jahre später, im „Gaggenauer Schicksalsjahr 1900“, in dem der Industriepionier Theodor Bergmann seinen späteren Teilhaber Georg Wiss und den Chefkonstrukteur Franz Knecht nach Gaggenau verpflichtete, wurde Bergmann auf der Frankfurter Motorwagenausstellung auch noch auf Willy Seck aufmerksam. Dieser hatte dort mit seiner aufsehenerregenden Erfindung einer Hochspannungs-Magnetzündung einen Ehrenpreis errungen.

Dazu schrieb Seck später: „Die Zündung hatte es Theodor Bergmann in Gaggenau angetan, so daß er die Aufnahme der Fabrikation erwog. Und so saß dann nicht lange nach der Frankfurter Ausstellung eines Tage in meinem Büro in Aachen Herrn E. Bergmann (Anmerkung der Redaktion: Sohn Emil Bergmann), um mich im Namen von Theodor Bergmann zu einem Besuch in Gaggenau einzuladen. Das Ergebnis des Besuches war aber ein ganz anderes als ursprünglich von beiden Seiten erwartet war. In die Aussprache mit Theodor Bergmann schoben sich nämlich allmählich auch Betrachtungen ein über den Bau eines Kleinstwagens, die Herrn B. zunehmend beherrschten und schließlich sein anfängliches Interesse an der elektrischen Zündung gänzlich beiseite schoben. Mit dem Auftrag, einen Kleinstwagen mit Reibradantrieb zu entwerfen, fuhr ich schließlich nach Hause.“

In seiner Biographie über Theodor Bergmann aus dem Jahr 1950 schreibt Willi Echle: „In Aachen entstanden dann im Jahr 1901 die Zeichnungen für ein winziges Fahrzeug auf vier winzigen Rädern ganz nach dem Geschmack des Herrn Bergmann, für das er später auch den Namen ,Liliput‘ vorschlug.“

Liliput aus dem Jahr 1905

Liliput aus dem Jahr 1905 – Archiv der Daimler AG

Bergmann suchte mit Anzeigen in Automobilzeitschriften Lizenznehmer für sein „Volksautomobil“, fand aber keine. So baute er es nur selbst in Gaggenau und in seinem Thüringer Zweigwerk in Suhl, in dem ansonsten Waffen produziert wurden. Nach Ausgründung der „Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau“ im Jahr 1905 wurden hier weitere Fahrzeuge produziert. Aus dieser Zeit ist auch ein Prospekt erhalten geblieben.
Der Grundpreis betrug demnach 2500 Mark. Aber bereits für das Verdeck, die Windschutzscheibe oder Wagentüren (!) wurden Aufpreise verlangt.

Liliput-Prospekt von 1905

Liliput-Prospekt von 1905

Nur zwei „Liliput“ blieben erhalten. Ein Liliput steht heute im Verkehrsmuseum Karlsruhe, das andere Fahrzeug ist im Besitz des Daimler-Museums. Bei der Sonderausstellung „Aller Laster Anfang“ zur den Pionierjahren der Gaggenauer Automobilgeschichte konnte dieser Liliput in den Wintermonaten 2010 auf 2011 im Unimog-Museum bewundert werden.

 

Zur Person Willy Seck

Willy Seck wurde unter anderem Chefkonstrukteur und Direktor der Fahrzeugfabrik Eisenach, starb aber 1953 in Armut. Der Geschichtskreis Oberursel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die bisher noch sehr unvollständige Biografie von Willy Seck zu vervollständigen. Bisher verfügen sie leider nicht einmal über ein verlässliches Foto von ihm. Daher ist der Arbeitskreis für weitere Hinweise sehr dankbar.

Kontakt über www.gkmo.net

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